Archive for August, 2005

Das sieht beschissen aus…

Montag, August 29th, 2005

Wenn in einem James Bond-Film der Oberschurke wieder im letzten Moment an der Ausführung seines Plans zur Zerstörung der Welt gehindert wird, dann verspürt man oft so eine absurde Enttäuschung – zu gern hätte man die Katastrophe gesehen. Nun, was sich da unten in New Orleans derzeit abspielt, ist kein Film, und je mehr ich über die potentiellen Auswirkungen dieses Hurricanes erfahre, um so mehr hoffe ich auf irgendeinen Ausweg in letzter Minute für die Leute da unten.

Ich zitiere mal aus der Warnmeldung des US-Wtterdienstes (und ja, die schreiben immer alles in Großbuchstaben…):

AT LEAST ONE HALF OF WELL CONSTRUCTED HOMES WILL HAVE ROOF AND WALL FAILURE.
[…]
THE MAJORITY OF INDUSTRIAL BUILDINGS WILL BECOME NON FUNCTIONAL. PARTIAL TO COMPLETE WALL AND ROOF FAILURE IS EXPECTED. MANY WOOD FRAMED LOW RISING APARTMENT BUILDINGS WILL BE DESTROYED.
[…]
HIGH RISE OFFICE AND APARTMENT BUILDINGS WILL SWAY DANGEROUSLY…A FEW POSSIBLY TO THE POINT OF TOTAL COLLAPSE. MANY WINDOWS WILL BLOW OUT.

AIRBORNE DEBRIS WILL BE WIDESPREAD…AND MAY INCLUDE HEAVY ITEMS SUCH AS HOUSEHOLD APPLIANCES AND EVEN LIGHT VEHICLES. SPORT UTILITY VEHICLES AND LIGHT TRUCKS WILL BE MOVED.
[…]
PERSONS…PETS…AND LIVESTOCK EXPOSED TO THE WINDS WILL FACE CERTAIN DEATH IF STRUCK.

POWER OUTAGES MAY LAST FOR WEEKS…AS MANY POWER POLES WILL BE DOWN AND TRANSFORMERS DESTROYED. WATER SHORTAGES WILL MAKE HUMAN SUFFERING INCREDIBLE BY MODERN STANDARDS.

Wenn man dazu dann noch die Erkenntnisse aus diesem NPR-Bericht aus dem Jahr 2002 nimmt, wird das ganze verdammt beängstigend. Da werden die Auswirkungen eines Hurricanes der Kategorie 5 auf New Orleans so beschrieben:

[T]he part of New Orleans that most Americans—most people around the world—think is New Orleans, would disappear.[…]
Hurricane Georges was one for which the track had the potential of flooding the city. So the people were given a mandatory order to evacuate the city. […] At the last minute, Hurricane Georges faded to a weaker storm and it veered away, which was lucky. Because the evacuation was a fiasco. [..][T]hey got into massive traffic jams and many of them spent the worst part of the hurricane either on the highway—stopped— or had pulled off to the side of the road.
[…]
Now supposing the hurricane had really walloped New Orleans? Here are all of these thousands and thousands of people in their cars trapped on the side of the road. What would happen to them?
„Many of our evacuation routes are subject to flooding,“ says Suhayda. „And they would be washed away, and there would be really no way for help—that is the emergency services people—to get to them to help them.“
[…]
[The] levees would doom the city, because they#039ll trap the water in. […] Everything that the water has carried in is going to be there. It#039s going to have to be cleaned out— alligators, moccasins and god knows what that lives in the surrounding swamps, has now been flushed -literally—into the metropolitan area. And they can#039t get out, because they#039re inside the bowl now. No water to drink, no water to use for sanitation purposes. All of the sanitation plants are under water and of course, the material is floating free in the community. The petrochemicals that are produced up and down the Mississippi river—much of that has floated into this bowl… The biggest toxic waste dump in the world now is the city of New Orleans because of what has happened.
[…]
Combe says nobody in America has confronted these issues across an entire city. Not after an earthquake. Not after floods. Not after September 11.

Ich fürchte, dass wir in ein oder zwei Tagen wissen werden, ob das Panikmache war oder nicht… :-(

Alles muss raus

Samstag, August 27th, 2005

Zumindest alle Informationen: Nachdem der „Piano-Man“ vier Monate geschwiegen hat bevor er seine Identität preisgab, bemüht sich der „Spiegel“ nun darum, wirklich jedes Fitzelchen bekannt zu machen: In einem Artikel (aus den ich aus nachvollziehbaren Gründen nicht verlinke) finden sich Angaben von so großem öffentlichen Interesse wie:

Er hat eine Internet-Adresse, xxxxxxxxxxxxx@web.de
[…]
Der Fluchtpunkt heißt Saarbrücken […] Andreas G. hat sich dort eine Zivildienststelle besorgt, bei der xxxxx GmbH, in einem Wohnheim an der Straße xxxxxxx
[…]
Auch nicht in dem Apartmenthaus an der xxxxxxstraße xx, in dem er gemeldet ist[…]

Und richtig geraten – die Stellen, bei denen hier xxxxx steht, sind im Original nicht zensiert.

Was soll das? Ich kann ja noch nachvollziehen, dass die Medien im Privatleben des Mannes bohren, aber welchen Nutzwert hat so ein Stasi-Bericht mit detaillierten Angaben zu Aufenthaltsorten, Miete und Ähnlichem? Und vor allem: Wo bleibt da die Privatsphäre?

Der Mann hat vier Monate geschwiegen – als Resultat wird nun mehr an die Öffentlichkeit gezerrt als er es wohl jemals wollte.

„Zurück zur D-Mark“ – und weg vom Duden?

Donnerstag, August 25th, 2005

Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität hat nicht nur eine Kanzlerkandidatin, die ein „zurück zur D-Mark“ fordert, sie hat auch einen Wahlwerbespot mit sehr kreativer Rechtschreibung:

Foto(179).jpg

Die Online-Version des Spots wurde offenbar inzwischen korrekturgelesen, aber über die Bildschrime Deutschlands flimmern weiter „Nazionalbank“, „Kreditanstahlt“ und die Forderung der „Mobilisierung von privaten Kapital“…

(Schön übrigens auch, dass die gute Frau am Ende des Spots in bester Sledge Hammer-Manier verspricht: „Vertrauen Sie mir. Ich weiß was zu tun ist.“)

Endlich: „Spiegel Online“ hat sein Haar in der katholischen Suppe

Sonntag, August 21st, 2005

Ist euch dieser Bericht der Netzeitung zum Abschkuss des Weltjuegndtags zu langweilig? Macht nichts, andere Medien haben Probleme gefunden, die die Netzeitungsleute übersehen haben müssen.

Kurios dabei: Der sonst so reißerische Kölner „Express“ – DuMonts Antowrt auf die Bild-Zeitung – berichtet mehr oder weniger objektiv von Organisationsproblemen rund um die Abschlussfeier, Spiegel Online hingegen bringt unter dem Titel „Bibbern nach dem Papstbesuch, Chaos bei der Abreise“ die Polemik eines verärgerten Journalisten, in der es eigentlich nur darum geht, dass er sich als Presseverteter schlecht behandelt fühlte, nicht genügend Laptop-Arbeitsplätze da waren, er hinterher weit zu seinem Bus laufen musste und der dann auch noch Verspätung hatte. Ach ja, eine Kollegin aus Frankreich ist auch sauer geworden.
Wer so überrascht ist, dass es zu unplanmäßigen Verzögerungen kommt, wenn eine Million Menschen auf engstem Raum zusammenhocken und alle einen bestimmten Menschen sehen wollen, der reibt sich wahrscheinlich auch zu Ferienbeginn auf der Autobahn verwundert die Augen, dass so viele andere Leute gleichzeitig mit ihm die Idee hatten, in Urlaub zu fahren.

Ich bin ja nicht religiös (das haben mir 9 Jahre an einem katholischen Gymnasium ausgetrieben :-) ), insofern ist es mir wurscht, wenn jemand über diese Veranstaltung herzieht, und ich glaube dem Autoren Alexander Schwabe auch, dass ihm, das alle gar keinen Spaß gemacht hat – aber taugen anekdotische Berichte für die Titelseite? Der WDR z.B. lässt seine Blogger über individuelle Erlebnisse berichten statt sie in Leitartikeln zu verwursten.

Das Gesamtbild sieht jedenfalls ganz gut aus – selbst im Spiegel-Artikel finden sich eigentlich beeindruckende Zahlen: Wenn der Malteserhilfsdienst bei einer knappen Million Menschen nur 157 ernsthafte Behandlungen meldet – meist Erschöpfung oder Unterkühlung – dann klingt das für mich als Laien nach einem ziemlich glatten Verlauf. Aber damit füllt man natürlich keine Leitartikel…

Soooo eine große Werbekampagne für 10 Euro… [Update]

Dienstag, August 16th, 2005

Da wirbt die CC-Bank doch aktuell ganz groß z.B. bei Spiegel Online für ihre ach so tolle Aktion: 5% Rabatt beim Tanken – weltweit.

Wenn man dann auf die Website zu der Aktion geht, findet man dort im Kleingedruckten:

  • 5% Erstattung auf Ihre Tankstellen-Umsätze
  • […]

  • Bis zu einem maximalen Tankstellen-Umsatz von € 2.000,– pro Kartenjahr

Dann rechnen wir mal: 10% von 2000 Euro wären 20 Euro, 5% sind die Hälfte, also maximal 10 Euro Rabatt pro Jahr! Wow!
Um noch einmal die Werbeseite zu zitieren:

So macht Tanken wieder Spaß

Update: Okay, ich geb zu – Prozentrechnung war nie meine Stärke… :-( Ihr habt ja alle recht: Es sind immerhin 100 Euro pro Jahr. *mitdemKopfgegendieWandhau*

Aus der Tagesschau

Donnerstag, August 11th, 2005
Aus der Tagesschau

Aus der Tagesschau,
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Das mit den Einblendungen ist aber auch kompliziert…

Kampagne a la „Spiegel“

Dienstag, August 9th, 2005

Dass im Hause Springer ein merkwürdiger Wortgebrauch herrscht, ist ja schon länger bekannt. Aber auch die Kollegen vom Spiegel-Verlag haben manchmal ihre eigene Definition von Begriffen.

Nehmen wir diesen Fall: Da lästert am 29. Juli BoingBoing.net, dass „Space Ship 1“-Konstrukteur Burt Rutan der Messias sei, der die NASA aus ihren Problemen mit einem teuren und veralteten Shuttle-Programm heraus führen könnte.

Mehr als eine Woche später, am 8. August, gibt’s dann einen Folgeeintrag, in dem ein Leser erklärt, wieso das ca. 30 Millionen Dollar teure Space Ship 1 nicht mit dem Shuttle zu vergleichen sei – würde man versuchen, sein Prinzip für ein Shuttle-ähnliches Raumfahrzeug einzusetzen, wären die Gesamtkosten ca. 9-10 mal so hoch wie alle Ausgaben, die die NASA bislang für das Shuttle-Programm hatte.

Ich hab keine Ahnung, ob dieser Leser qualifiziert ist, ob seine Berechnungen stimmen, und was passieren würde, wenn man die NASA-Zahlen inflationsbereinigen würde. (Immerhin sind sie über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren aufgelaufen – die ersten Shuttle-Aufträge wurden Anfang der 70er Jahre vergeben.) Darum geht es aber auch nicht.

Worum es geht ist: Spiegel Online berichtet über genau diese Vorgänge genau so – nur wird im Teaser-Block aus dem einen Blog-Posting, das später dann durch einen Leser ziemlich arg relativiert wurde, eine „Spottkampagne“. Ja, wo denn bitte?

Wenn ein einzelnes Posting eine „Kampagne“ ist, dann ist mein Postign hier jetzt wahrscheinlich auch ein „Feldzug“ gegen Spiegel, oder?

(Dabei sollte man gerade beim „Spiegel“ doch wissen, was eine Kampagne ist – schließlich hat man doch durchaus Erfahrung in diesen Dingen…)

Sachsen bei N24?

Sonntag, August 7th, 2005
Sachsen bei N24?

Sachsen bei N24?,
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