Liebes Quotenmeter.de-Team,

ich denke mal nicht, dass Jacques Steinberg von der New York Times erfreut darüber wäre, dass ihr seinen Artikel so gut wie abgeschrieben habt. (Trotz des kleinen Hinweises „Quelle: New York Times“ im Kasten an der linken Seite.)

Aber wenn ihr so etwas schon macht, dann passt doch wenigstens auf, dass eure Übersetzungen einen Sinn ergeben – vorzugsweise denselben, den der Originaltext hatte. Ich bin mal so freundlich, den Unsinn, den ihr da verzapft habt, zu berichtigen:

Im Original findet sich folgende Passage:

A handful of writers[…] have officially crossed picket lines to return to work in recent weeks. A guild designation known as “financial core” allows individuals to pay some union dues and fees and to be covered by collective bargaining agreements

Daraus macht ihr:

Doch eine Handvoll Autoren schreiben seit ein paar Wochen wieder […] Die Streikbrecher argumentieren ihre Entscheidung mit finanziellen Nöten.

Tun sie nicht. „Financial Core“ hat nichts mit finanziellen Nöten zu tun, sondern ist – vereinfacht formuliert – ein Mitgliedsstatus bei der Autorengewerkschaft, der einen von gewissen Verpflichtungen (wie eben der, an Streiks teilzunehmen) befreit, dafür aber auch nur eingeschränkte Leistungen der Gewerkschaft bietet.

Eine andere Passage heißt bei euch:

Die Verantwortlichen bei „The Young and the Restless“ versicherten ihren Autoren, eine attraktive Bezahlung, wenn sie sich beim Streik nicht beteiligen. Anfangs zeichneten mehr als ein dutzend Menschen für eine Episode verantwortlich, derzeit stehen nur drei Autoren im Abspann.

„Das ist keine Lösung, dass drei Personen diese Arbeit machen“, sagte Sandra Weintraub, eine streikende Autorin, die seit mehr als drei Jahren für „The Young and the Restless“ schreibt.

Damit hätte Frau Weintraub, wenn sie denn das gesagt hätte, zwar völlig Recht, aber die Passage sieht im Original so aus:

Consider that „The Young and the Restless,“ which before the strike carried a writing staff of more than a dozen, now lists just three writers in its closing credits […]

„There’s just no way three people can be doing that job,“ said Sandra Weintraub, a striking writer who has written for the show for more than three years. „With the Internet, people don’t ever have to cross a picket line. So we’ll never know.“

Während ihr also fröhlich den Eindruck erweckt, drei Autoren würden die Serie alleine betreuen, sagt der originale Artikel das genaue Gegenteil aus: Es ist möglich und wahrscheinlich, dass eine Menge Autoren heimlich den Streik unterlaufen.

Ach ja, der Satz: „The actors are typically members of unions that are not on strike“ heißt auch nicht: „Die Schauspieler sind typische Mitglieder von Gewerkschaften, die nicht streiken

Ich will gar nicht all die stilistischen Ungereimtheiten und Fehler aufzählen, die sich quer durch euren gesamten Text ziehen – nur ein Highlight noch zum Schluss:

Im Originalartikel wird beschrieben, wie beim letzten Autorenstreik Ersatz-Autoren eine Soap weiterführten:

At first, […] the replacement writers relied on a document known as „the bible,“ in which the regular writers had mapped plots for the next few months, a process they would have followed regardless of the strike.

Bei euch wird daraus folgende Perle:

Zuerst wurden die Autoren für ein Dokument, das „Die Bibel“ heißt, ausgetauscht.

Dieser Streik zieht offenbar wirklich größere Kreise als ich dachte…

5 Responses to “Liebes Quotenmeter.de-Team,”

  1. Julian sagt:

    Jaja, da hatte jemand mal wieder keine Zeit oder der Praktikant sollte eben den Artikel mal schnell übersetzen. Aber das passiert ja täglich und so funktioniert Presse ja auch überhaupt. Jemand erfährt etwas und hundert Leute schreiben das ab. 10 schreiben das Richtige und 90 ändern den Artikel. Von denen wird dann wieder abgeschrieben usw…
    Ein ewiger Kreislauf – was hinten rauskommt ist teilweise nur noch lustig.

  2. viewer sagt:

    @Julian
    [AUSSAGE GELÖSCHT NACHDEM MIR VON QUOTENMETER MIT DEM ANWALT GEDROHT WURDE. ] Bei Kollege Wortvogel gabs auch mal so eine herrliche „Kritik-Kritik“. http://wortvogel.de/?p=265

  3. Torsten Dewi sagt:

    Es reicht vollkommen, sich anzusehen, wer für diese Übersetzung verantwortlich zeichnet…

  4. Horst sagt:

    „The actors are typically members of unions that are not on strike“ – Wie würde der Satz denn korrekt ins Deutsche übersetzt lauten ?

  5. Baumi sagt:

    Eine korrekte Übersetzung wäre z.B.: „Die Schaupsieler sind in der Regel Mitglieder von Gewerkschaften, die sich derzeit nicht im Streik befinden.“