Archive for September, 2008

Heisse Sache, das

Dienstag, September 30th, 2008

Heute mal ein paar Eindruecke aus Rotorua, einer Stadt, die aus irgendeinem Grund mitten in einem Vulkankrater errichtet wurde. Die Konsequenzen: Viele dampfende, heisse Quellen, extrem fruchtbarer Boden, ein Schwefelgeruch wie von faulen Eiern, der ueber dem ganzen Ort liegt, und ein Nachbardorf, das 1886 bei einem Vulkanausbruch unter Schlammlawinen begraben wurde.

Davon liess man sich hier nicht beeindrucken. Die Schlammlawinen vernichteten auch zwei wunderbare Naturspektakel, die „Pink Terraces“ und ihr weisses Gegenstueck, die bis dahin gute EInnahmequellen gewesen waren, also baute man ein eindrucksvolles Badehaus (heute das Stadtmuseum), um weiterhin reiche Touristen anzulocken.

Leider ging alles schief, was schiefgehen konnte: Es war nicht genuegend Geld da, das saure Wasser zerfrass schon vor der Eroeffnung 1909 die ersten Rohre und die Sonnenterrasse hatte das Problem, dass in dieser Gegend einfach zu selten die Sonne schien. Nach 50 Jahren war der Laden so gammelig geworden, dass er geschlossen wurde, und fast abgerissen worden waere. Statt dessen zog oben ein Lokal ein und unten eroeffnete das Muesum. Klingt wie ein guter Plan – nur leider mutierte das Lokal bald zum Nachtclub mit Livemusik, so dass gegen Ende der 60er Jahre regelmaessig Bier durchs Fachwerk ins Museum troepfelte. Aber der Laden brachte genug Geld ein, um das Haus vor dem Abriss zu retten.

1990 lief der Vertrag fuer den Nachtclub dann aus, die Museumsleitung schmiss ihn voller Erleichterung raus und hat inzwischen einen Grossteil der Spuren beseitigt, die 30 Jahre Party unter Tudor-Holzdecken hinterlassen hatten.

Passende Bilder folgen spaeter, dafuer sind jetzt aber welche von den Sandduenen und dem zuvor erwaehnten 90-Mile-Beach online. Klickt auf den Link auf der rechten Seite, dann koennt ihr mal gucken, was sich getan hat.

Reisetag

Montag, September 29th, 2008

Heute stand ein Tag mit 8 Stunden Busfahrt an. Das ist hier nun aber nicht so oede, wie man vermuten koennte: Neuseelands erste Siedler, die Maori, hatten ueber Jahrhunderte hinweg keine Schriftsprache, sondern nur Schnitzereien und muendliche Ueberlieferungen, um ihre Geschichte zu tradieren – und so sind die meisten Maori (und anscheinend Neuseelaender im Allgemeinen) bis heute grossartige Geschichtenerzaehler.

Deshalb ist auch eine stinknormale Fahrt mit dem Ueberlandbus (das hiesige Aequivalent zur Bahn) in der Regel hoechst unterhaltsam – der Fahrer erzehlt Anekdoten ueber die Orte, an denen man vorbeikommt, Geschichten aus seiner Familie oder singt auch einfach mal ein paar Lieder – sowohl traditionelle Maori-Gesaenge als auch abstruse Perlen wie „Das Lied, das die Kuehe nachts summen, wenn sie alleine auf der Weide stehen“.

Das kann zwar je nach Fahrer etwas viel werden, ist mir aber lieber als die uebliche Behordenunfreundlichkeit an Bord der Deutschen Bahn.

Bis zum aeussersten

Sonntag, September 28th, 2008

Das Eigenartige an Neuseeland (fuer uns Europaer zumindest), ist ja, dass es immer waermer wird, je weiter nach Norden man kommt. Heute war ich dann an der absoluten Nordspitze des Landes – dort, wo sich Pazifik und Tasmanische See treffen. Und ja: Es war warm. Und sonnig. Was schoen war, denn ganz in der Naehe gibt es auch noch den 90-Mile-Beach, der zwar in Wirklichkeit „nur“ 64 Meilen, also etwas ueber 100 km lang ist, aber das reicht ja auch noch. (Der Strand ist uebrigens offizieller Highway mit einer 100 kmh-Geschwindigkeitsbegrenzung.)

Am Nordende des Strads gibt’s dann auch noch wahnsinnig riesige Sandduenen, von denen man im Liegen runtersurfen kann – sehr lustig. Fotos von vielem Beschriebenen folgen – sobald ich irgendwo bin, wo ich besseren Internetzugang habe als hier. (Eine Handvoll frischer Bilder sind schon da, aber es kommen noch mehr.) Aber morgen bin ich erst einmal einen Tag nur unterwegs – 8 Stunden Busfahrt. :-(

Und falls das alles merkwuerdig unzusammenhaengend wirkt: Es ist gar nicht so leicht, sich zu konzentrieren, wenn man mittren im Aufenthaltsraum hockt, und um einen herum gelcihzeitig Handys gestestet, gekocht und ferngesehen wird. Insofern bitte ich um Vergebung. Durchdachteres folgt, wenn ich merh Ruhe habe.

Delfine, Papageien und viele Inseln

Samstag, September 27th, 2008

Wow – tief durchatmen und die Meeresluft geniessen. Ich bin im aeussersten Norden Neuseelands, in der Ecke, die als erste kolonisiert wurde. Captain Cook nannte die Ecke „Bay of Islands“, und wenn man sich ansieht, wie viele Inseln hier so rumlungern, hat er damit gar nicht mal Unrecht gehabt.

Erfrischenderweise ist meine Unterkunft hier angenehm klein – ganz gut, nachdem ich in Auckland in einer Monsterherberge mit 500 Betten gelandet war. Eindruecke der letzten 24 Stunden:

  • Eine Hochzeitsprobe in der aeltesten Kirche Neuseelands. (Darwin hat Geld fuer ihren Bau gespendet.)
  • Sich sonnende Pinguine
  • Delfine, die mit einem Schiff schwimmen.
  • Der Herbergspapagei, der gelernt hat, zu miauen, um sich mit der Herbergskatze unterhalten zu koennen.
  • Zwei deutsche Touristinnen, die die Zeit damit verbrachten, sich gegenseitig vorzujammern, dass man unterwegs nur Deutsche trifft, waehrend gleichzeitig neben ihnen zwei Japaner an ihrem Laptop sassen und ich mit zwei Schweizern und einer Hollaenderin wuerfelte…

Fotos (leider nicht von Delfinen oder Pinguinen) folgen bei Gelegenheit.

SOS – keine SMS mehr

Donnerstag, September 25th, 2008

So, hier mal kurz die schlechte Nachricht des Tages – aufgrund eigener Bloedheit hab‘ ich mich fuers Erste meiner altbekannten Handynummer beraubt. Das bedeutet fuer euch: Versucht gar nicht erst,mich unter der gewoehnlichen Nummer (0177 usw.) anzurufen oder mir eine SMS dorthin zu schicken – ich bekomme es hoechstwahrscheinlich erst im Februar mit, wenn ich mir in Deutschland eine neue SIM holen kann. (Das kommt davon, wenn man vorausdenkt und versucht, das Handz abzusichern, damit potentielle Diebe keien Unmengen an Telefonkosten anhaeufen koennten – man sperrt sich statt dessen selber aus…)

Das Ganze hat zwei Vorteile: Einen fuer euch, denn ihr muesst euch nur noch eine Nummer merken, naemlich die neue. (Das ist die, die mit 015 anfaengt – wer die nicht kennt und unbedingt braucht, moege sich bitte per Mail bei mir melden.) Und einen fuer mich, denn ich kann unter der neuen Nummer SMS nur empfangen, aber nicht selber verschicken. Jetzt komme ich also gar nicht mehr in Versuchung, meine Telefonrechnung mit suendhaft teuren Kurznachrichten zu belasten, sondern kann mich ganz aufs Reisen konzentrieren.
(mehr …)

Fruchtalarm!

Dienstag, September 23rd, 2008

Eine Sache hatte ich ja ganz vergessen zu erwaehnen: Inken hat mich fast den Neuseelaendischen Sicherheitsbehoerden ausgeliefert. Und das kam so:

Neuseeland hat verdammt strenge Einfuhrgesetze, was alles Tierische und Pflanzliche angeht. Das haengt damit zusammen, dass sich auf diesen Inseln aufgrund ihrer Abgeschiedenheit ganz eigene Arten gebildet haben, die es kaum sonst irgendwo gibt. Einige davon sind inzwischen vom Menschen ausgerottet, so z.B. der Riesenmoa, ein flugunfaehiger Vogel, den die Maori fleissig bejagt haben bis er weg war – weshalb gerade ein Forscherteam mehrere 100.000 Euro bewilligt bekommen hat, um herauszufinden, was das Tier gefressen hat, indem sie in jahrhundertealter Vogelkacke wuehlen.
(mehr …)

Reisen bildet

Montag, September 22nd, 2008

So, jetzt bin ich zwar noch keinen halben Tag in Neuseeland, aber trotzdem schon seit anderthalb Tagen auf Achse. Mein Koerper laesst mich das auch spueren: Nachdem sich draussen der dritte Sonnenuntergang innerhalb von 36 Stunden anbahnt, erklaert meine innere Uhr mich schlichtweg fuer bescheuert und verweigert ihren Dienst.
Das setzte meinen klaeglichen Versuchen, mir Auckland heute noch naeher anzusehen, auch ein deutliches Ende – Uebermuedung und Grossstadts-Linksverkehr sind mir dann doch eine zu boese Mischung.

Hier aber noch schnell ein paar Dinge, die ich schon auf Reisen gelernt habe:

  • Es lohnt sich, Vegetarier zu sein. Zumindest bei Qantas, da krigt man dann naemlich als erster sein Essen.
  • Qantas‘ Bord-Unterhaltungssystem lauft zwar nicht immer rund, aber wenn, bietet es ungeahnte Dinge: Nicht nur, dass Filme – anders als in den USA – nicht extra auf Familienfreundlichkeit runtergeschnitten werden sondern in Original-Kinofassung laufen: nein, auch bei der Auswahl reibt man sich verwundert bis irritiert die Augen:
    Neben einer Folge von „House“, die ausgerechnet in einem Flugzeug spielt, in dem nach einer moeglichen Infektion eine Massenpanik droht, gab es auch noch eine Dokumentation mit dem Titel „My penis – and everybody else’s“ – und darum ging esauch: Genauer gesagt um das Problem, dass Maenner sich unsicher ueber ihre Penisgroesse sind. In den 5 Minuten, die ich das Durchgehalten habe, gab es auch viele Bildbeispiele. (Und nein, es gibt keinen Jugendschutz bei dem Entertainment-System – dafuer aber staendig das ungute Gefuehl, dass sich der Sitznachbar wundern koennte, wieso man immer wieder Grossaufnahmen von maennlichen Geschlechtsteilen auf seinem Bildschirm hat.)

So, jetzt merke ich aber, wie mir beim Tippen immer wieder die Augen zufallen wollen. Ich werde mich jetzt noch irgendwie eine Stunde wachhalten – moeglichst in einer Gegend, in der sich ncihts schnell oder unerwartet bewegt, und dann ins Bett fallen – in der Hoffnung bis morgen frueh den Jetlag verdaut zu haben.

In diesem Sinne: Gute Nacht.

Los geht’s

Samstag, September 20th, 2008

So, letzter Eintrag vor dem Start. Heute Abend steht mir dann das hier bevor – wenn auch im Dunkeln und damit weniger eindrucksvoll.

Zweimal werden wir noch wach…

Freitag, September 19th, 2008

…aber wenn ich so weiter mache, überspringe ich ein Aufwachen: So langsam macht sich die Nervosität bemerkbar. Kenne ich aber, ist bei mir jedes Mal vor längeren Reisen so.

Um die Zeit sinnvoll zu verbringen: Hier eine hübsche kleine Landkarte, die demonstriert, wohin die Reise am Samstag Abend geht:

(Falls ihr hier nichts seht: Die Karte braucht leider Javascript. :-( )

Unglückliche Firmennamen

Mittwoch, September 17th, 2008

Man sollte nicht übersehen dass sich der brasilianische Fiat-Händler Fuck als Slogan ausgerechnet „Getrieben von Leidenschaft“ gewählt hat…

via Photoshop Disasters