Flugtag

Okay, hier nun die Langfassung meines heutigen Tages. Ganz nach arte-Manier habe ich ihn einfach mal unter ein Thema gestellt: Fliegen.

Es begann um kurz vor 9, indem mich ein blauer Pickup-Truck mit Red-Bull-Werbung abholte. Am Steuer: Ivan, von seinen Freunden nicht ohne Grund „Crazy Ivan“ genannt. Ivan war frueher professioneller Motocross-Fahrer, bis ihm anscheinend irgendwann die Spruenge zu kurz wurden, und er auf Kunstflug umsattelte. Nach einer kurzen Unterweisung, welche Flugmanoever er mit mir in seinem Doppeldecker unternehmen wuerde, und dem erwaehnten Formular, das kurz gefasst aussagt, dass ich selber Schuld bin, wenn mir was passiert, weil ich mich auf den Bloedsinn eingelassen habe, stecke ich in einem Fliegeranzug und werde von Ivan mit vier Gurten in die Maschin e eingeschnuert, kriege noch rasch Anweisungen, welche Sachen ich auf gar keinen Fall anfassen darf, dann setzt er mir den Helm mit Funkgeraet und Videokamera auf, verzieht er sich in den Cockpitsitz hinter mir und schliesst die Plexiglashaube. Kurzer Propellertest, dann erfolgt die Startfreigabe und wir heben ab.

Ich hab’s ja schon mal geschrieben, aber man kann gar nicht genug hervorheben, wie sicher man sich in der Kiste fuehlt. Zu jeder Zeit, auch bei dem wildesten Manoever, spuert man, dass der Pilot die Maschine voll unter Kontrolle hat: Jede Rolle hat einen klaren Anfangs- und Endpunkt, jeder Sturzflug beginnt und endet kontrolliert, und wenn man auf dem Ruecken fliegt, dann fliegt man ganz gleichmaessig – nur eben falschrum. Zur weiteren Sicherheit tragen Ivans Ansagen bei, welches Manoever als naechstes ansteht, Handzeichen, mit denen ich verdeutlichen konnte, ob alles bei mir okay war, und seine Tipps, wohin man wann gucken soll – bei Loopings zur linken Tragflaechenspitze, bei Rollen geradeaus auf den Horizont; so bewahrt man sich die Orientierung. Am Ungewohntesten sind noch die G-Kraefte, die auf einen einwirken. Insbesondere beim Looping hat man es mit bis zum 6-fachen der Erdanziehung zu tun, so dass man wirklich fuehlen kann, wie das eigene Gesicht sich Basset-artig nach unten verzieht, und einem auch klar wird, wieso man auf zwei sehr dicken Lederpolstern sitzt.

Nach ca. 15 Minuten Kunstflug folgten weitere 15 Minuten Sightseeing der anderen Art: Auf sanftes Gleiten ueber Berggipfel folgte ein Flug in weniger als 200 Meter Hoehe durch ein Flusstal, wobei er jede Kurve des Flusses genau mitnahm und einmal mehr als 10 Sekunden lang exakt auf der Seite flog – in dieser Position koennen die Tragflaechen dem Flugzeug keinerlei Auftrieb mehr verleihen und es wird allein durch die Kraft der Maschine oben gehalten. Wenn ich mehr von Aerodynamik verstuende, koennte ich das jetzt besser erklaeren.

Gesamteindruck: Ivan hatte nicht zuviel versrpochen, als er das Ganze als „The world’s best rollercoaster“ bezeichnete – mit genau so viel Figuren und Aufregung, wie man es moechte.

Als Erinnerung an das Ganze gibt’s ein gerahmtes Foto, von dem hier ein Foto folgt:

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Ausserdem noch eine DVD mit all dem Material, das meine Helmkamera waehrend des Fluges aufgenommen hat – sozusagen der Flug, durch meine Augen gesehen. Wenn mal absolutes Sauwetter an einem stinklangweiligen Ort ist, finde ich vielleicht heraus, ob und wie ich das online stellen kann.

Nach so viel Adrenalin am fruehen Morgen gab’s dann eine Atempause bis zum Nachmittag. Da folgte ein angenehmer Rundflug im Hubschrauber mit Landung auf einem Berggipfel und obligatorischer Warnung vor katastrophalen Fehlern: Aufpassen, dass man sich ausserhalb der Reichweite der Rotorblaetter haelt, nicht mit dem Kopf an die roten und gelben Hebel an der Kabinendecke stossen, etc.

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Weitere Fotos gibt’s in der Galerie.

Zur Abrundung des Thementages kam ich dann auch noch einem Wunsch Michaels nach und liess zum ersten Mal den Drachen steigen, den Andreas und er mir mitgegeben haben. Der erste Versuch war eher klaeglich:

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Ein einheimischer Jogger gab mir dann aber einen Tipp, wo es mehr Wind gab, und tatsaechlich- das Ding flog, auch wenn sich meine Kuenste als Drachenbaendiger als eher bescheiden erwiesen. Aber es gibt ein Beweisbild:

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Wer nun befuerchtet, ich haette noch weiteren Unsinn im Kopf, den kann ich beruhigen: Bungy-Sprung oder Fallschirmspringen stehen definitiv nicht auf meiner Wunschliste. Jetzt wird’s ganz gemaechlich: Nach der Luft kommt in den naechsten zwei Tagen das Wasser – aber in viel ruhigerer Form: Anderthalb Tage in einem Schiff auf dem Doubtful Sound, einem der schoensten Fjorde Neuseelands. Von daher also auch nicht wundern, wenn ihr nichts von mit hoert, denn da draussen gibt’s angenehmerweise weder Telefon noch Internet. Bis Mittwoch Abend hiesiger Zeit bin ich also einfach mal nicht zu erreichen. Auch was Schoenes…

Ach ja: Aufmerksamen Beobachtern ist sicher aufgefallen, dass ich auf den Fotos von gestern und heute dieselben Klamotten anhabe. Das ist nicht etwa eklige Schlampigkeit meinerseits, sondern logitische Notwenidigkeit: Wenn man auf Reisen jeden Tag ein neues T-Shirt anzoege, muesste man entweder einen Haufen davon mitschleppen oder kaeme aus dem Waschen nicht mehr raus, was auf Dauer teuer wuerde. Von daher: Zei Hosen und drei T-Shirts pro Woche muessen reichen.

2 Responses to “Flugtag”

  1. inken sagt:

    na, wenn die t-shirts soooo hübsch sind, wäre es ja auch quatsch, sie weniger lange anzuhaben…

  2. mik sagt:

    super! er fliegt. also, der drachen. du fliegst ja auch. bin beeindruckt. guten flug noch.