Mal im Ernst

9:00 morgens, 4 Tage nach meinem 33. Geburtstag. Eigentlich sollte ich in 9 Stunden nach Thailand fliegen, statt dessen sitze ich im Flieger nach Melbourne, um mich dort mit Bekannten zu treffen, weil bewaffnete Idioten dafuer gesorgt haben, dass auf allen Flughaefen Bangkoks der Ausnahmezustand herrscht – ihr Ziel ist eine sehr eigene Art der Demokratie: 30 Prozent vom Volk gewaehlte Parlamentarier, der Rest wird von diversen Lobbygruppen bestimmt. Kein guter Tag, um nach Thailand zu reisen.

Auf den Bildschirmen im Flugzeug laufen Nachrichten: Chaos nach Terroranschlaegen in Bombay, mehr als 100 Tote, noch immer Geiseln im Hotel. Blut, Rauch und Feuer. Kein guter Tag, um nach Bombay zu reisen.

Hatte ich den Bangkok-Flug ein paar Tage frueher gebucht, saesse ich jetzt vielleicht auch dort fest. Und Bombay war auch mal auf meiner Liste moeglicher Reiseziele. Keine gute Zeit, eine Reise zu planen?

10:45, im Shuttlebus auf dem Weg in Melbournes City – ein Gelaendewagenfahrer haelt es nicht fuer noetig, vor dem Spurwechsel in den Rueckspiegel zu schauen, der Busfahrer kann gerade noch rechtzeitig bremsen, um einen Unfall zu verhindern. Kein guter Tag, um nach Melbourne zu reisen?

Ganz im Ernst: Alles was man macht oder sein laesst ist, ob man es will oder nicht, eh immer ein Ticket in jener schoenen, grossen Lotterie, in der niemand gewinnen will – nur sind manche Lose eben riskanter als andere. Und darum an dieser Stelle ein sehr ernst gemeintes „Fuck you“ an alle da draussen, die diese Welt ein bisschen unsicherer machen, ob mit Autos, Molotov-Cocktails oder Maschinenpistolen, ob aus boesem Willen, Verblendung oder Dummheit. Ich bin nicht so doof, euch direkt in die Arme zu laufen, aber ich lass mir auch keine unnoetige Angst machen. Tausend tolle Sachen gibt es ueberall zu sehn, wenn sie eine in die Luft jagen, muss man halt zur andern gehn.

Mein Flugticket hat jetzt einen knallgeben Aufkleber – laut Plan fliege ich am 12. Dezember nach Bangkok. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Und wenn nicht: Ich hab noch zwei Monate Zeit – und hier ist ein kompletter Kontinent, von dem ich erst eine handvoll Ecken gesehen habe. Ich hab zu tun.

Und jetzt geh ich nach draussen. Nette Menschen treffen. Uebrigens scheint die Sonne – das war in den letzten Wochen selten hier.

Ein guter Tag, um in Melbourne zu sein.

One Response to “Mal im Ernst”

  1. Antje sagt:

    Hey Jens, es scheint eine gute Zeit, Australien zu erkunden!! Viel Sonne und noch mehr nette Menschen wünscht Dir Antje