Erst geht die Marke – dann der Rest

Gut, es wäre vermessen, den Niedergang von Arcandor allein am sperrigen Namen festzumachen – dennoch war es eine selten dämliche Entscheidung, eine traditionsreiche Marke (okay, das Amalgam zweier Marken) wie KarstadtQuelle seinerzeit für mehr als 100.000 Euro durch ein sinnfreies Kunstwort zu ersetzen. Teil der offiziellen Begründung damals:

Bei der Auswahl des neuen Namens habe der Anfangsbuchstabe „A“ eine Rolle gespielt, sagte Middelhoff. Durch den Anfangsbuchstaben kann das Unternehmen unter den 50 im Börsensegment MDax notierten Unternehmen im Alphabet von Platz 25 auf Platz drei vorrücken.

Wenn wir schon die wirtschaftlichen Realitäten außen vor lassen und hobbypsychologisch die Anleger durchleuchten, wie wäre es dann mit der Frage, ob die einer ungelenken Wortneuschöpfung wirklich mehr Vertrauen schenken als einer etablierten Marke – ich wüsste nicht, wieso.

Aber der Umbenennungswahn feiert auch auf dem sinkenden Schiff noch fröhliche Urständ:

Der Versandhandelsbereich heißt inzwischen nicht mehr Quelle, sondern Primondo. Teile davon werden nun zusammen mit einigen der Kaufhäuser in eine Neugründung names Atrys ausgegliedert.

Wer den Namen ändert, hat meist etwas zu verbergen – z.B. eine finstere Vergangenheit. Wie viel Vertrauen brächte man einem Menschen entgegen, der einem innerhalb weniger Jahre unter drei gänzlich verschiedenen Namen über den Weg liefe? Und wieso sollte das, was im zwischenmenschlichen Bereich Misstrauen auslöst, in der Wirtschaft plötzlich als modern und dynamisch empfunden werden?

Comments are closed.