Freie Bahn dem Schnäppchenwahn

Es gibt ja so gewisse gefühlte Grundwahrheiten über die Deutschen und ihre Vorlieben und Abneigungen. Eine davon ist die leidenschaftliche Schnäppchenjagd – die kann dann ja auch schon mal so weit gehen, dass man sich ein neues Auto kauft, dass man sich eigentlich überhaupt nicht leisten kann, weil einem der Staat 2.500 Euro schenkt, wenn man sein altes, völlig intaktes Auto verschrottet. Ist ja billiger – muss man mitnehmen.

Ein anderer Minimalkonsens ist das Schimpfen über die Deutsche Bahn – ob es um den bösen Mann an der Spitze geht oder den verspäteten Zug am Bahnsteig: Wenn der jedesmal ein Fahrgast verloren ginge, wenn jemand beteuert, jetzt nie wieder Bahn zu fahren, würden die Züge längst mit Fahrgastzahlen unter Null durch die Lande rollen. (Am Endbahnhof müssten dann so lange Bahnmitarbeiter einsteigen, bis der Zug wieder leer ist.)

So gesehen stellen Kampagnen wie die, die Tchibo aktuell anbietet, den gefühlten Durchschnittsverbraucher vor ein Dilemma: 6 Bahnfahrten für 127 Euro sind ein Schnäppchen. Aber man muss Bahn fahren, um es auszunutzen.

Doch mit etwas nachdenken kommt die Lösung: Natürlich beim Kaffeeröster Schlange stehen, sich dann in den Zug setzen, die weitestmöglichen Strecken abfahren – nicht weil man dahin will, sondern weil man es ja kann – und dem Schaffner dabei eine lange Nase drehen: Schließlich hat man es dem bösen Transportkonzern mal wieder so richtig gegeben!

In diesem Sinne: Gute Fahrt!

One Response to “Freie Bahn dem Schnäppchenwahn”

  1. Johannes sagt:

    Korrektur: 160 Euro