Übung in Unlogik

„Der Spiegel“ übt sich in einem Text von Jan Fleischhauer in Unlogik: Zuerst werden Anekdoten, wilde Behauptungen und Vorurteile angeführt, die illustrieren sollen, wie absurd sich angeblich alle „Linken“ verhalten (gemischt mit ein paar gehaltvollen Einwürfen, die sich bei Bedarf Kritikern vor die Nase halten ließen), um dann zu folgern, dass man, weil man das absurd findet, automatisch konservativ ist.

Die „Linken“ Fleischhauers glauben z.B., dass der 11. September eine CIA-Verschwörung war oder finden es grundsätzlich verdächtig, wenn jemand hofft, dass eine Ehe funktionieren kann.

In der Rhetorik wird sowas gerne als „Strohmann-Argument“ bezeichnet, und es ist schwer vorstellbar, dass der gute Mann das in seiner Karriere als Journalist nicht kapiert hat, dass sowas nicht für eine ernsthafte Diskussion taugt – auch wenn er sich in seinem Blog alle Mühe gibt, diesen Anschein zu erwecken.

Das Blog liefert aber auch einen guten Hinweis, worum aller Wahrscheinlichkeit es eigentlich geht: Da ist nämlich auch ein Link zur „Achse des Guten“ aus dem Umfeld von Spiegel-Kolumnist Henryk M. Broder, der ja schon längst gelernt hat, dass es Leser zieht, wenn man wild beschimpft und diffamiert, statt sachliche Debatten zu führen.

Dieses Feld will Fleischhauer ihm offenbar nicht alleine überlassen – aber sein Fehler ist, dass er dabei noch viel zu sehr versucht Argumente aufzubauen. Er sollte es einfach wie Broder machen, und auf pure Beleidigung setzen. (Broder über Stefan Niggemeier: „Profi-Wixxer aus der Weltstadt Springen bei Heidenrod über Niedergladbach, Obergladbach und Hausen vor der Höhe, und den Erbsenzähler, der seine Schmarotzer-Karriere der Existenz der BILD verdankt“)

Aber da Fleischhauer ja Spiegel-Redakteur ist und sein Buch auch gleich online im Spiegel-Shop gekauft werden kann, wird’s schon klappen mit der Auflage.

2 Responses to “Übung in Unlogik”

  1. max sagt:

    Immerhin willst Du ja nicht ernsthaft bestreiten, dass Niggemeier ein Wixxer ist, oder?

  2. Baumi sagt:

    Kenne ihn nicht persönlich, kann das daher weder im wörtlichen noch im übertragenen Sinne beurteilen.

    Persönliche Angriffe und Beleidigunegn haben aber in Diskussionen m.E. generell nichts verloren. Was ich von Niggemeier gelesen hab‘, mag zwar schon mal arg polemisch sein, aber beleidigende Pöbeleien wie die von Broder waren da bisher nicht drunter.

    Ich fühle mich bei Broders Rumgekeife immer an Wiglaf Droste erinnert – politisch sind die beiden sich zwar so fern wie nur irgendwie möglich, aber beide setzen im Zweifel auf Beschimpfungen statt Argumente; wohl immer in dem Wissen, dass das Leser zieht.