Archive for Juli, 2010

Falsche Freunde diskriminieren Produkte

Samstag, Juli 31st, 2010

Es ist schon ein Kreuz mit der englischen Sprache – manches klingt fast wie im Deutschen, heißt aber doch etwas ganz anderes. In meiner Schulzeit gab’s da immer den Kalauer vom Mann beim Metzger, der seine Bestellung mit den Worten „I’d like to become a beef steak“ aufgibt.

Ähnlich verheddert sich auch Spiegel Online beim Versuch, Fachbegriffe aus einer US-amerikanischen Studie zu übersetzen:

Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es zwei Käufergruppen mit verschiedenen Grundhaltungen.

Die einen haben eine Einstellung, die die Forscher diskriminierend nennen. Diese Leute suchen Eigenschaften, die eine Produktart von anderen unterscheidet.
[…]
Die anderen Leute nennen die Wissenschaftler generalisierend. Sie interessieren sich für Eigenschaften, die Produkte einer bestimmten Art gemeinsam haben.

Diskriminierend? Gegen wen? Die anderen Produkte? Wird es Zeit, die UN zum Einschreiten zu bewegen?

Für den Anfang würde wahrscheinlich ein qualifizierter Übersetzer genügen: „to discriminate“ heißt im Englischen nämlich erst einmal schlichtweg „unterscheiden“. „To discriminate against“ wäre das deutsche „diskriminieren“.

Schon klar: „diskriminierend“ und „generalisierend“ hat natürlich einen schöneren Gleichklang als etwa „unterscheidend“ und „verallgemeinernd“, aber gerade weil „diskriminieren“im Deutschen kein unbelastetes Wort ist, sollte hier eigentlich die korrekte Übersetzung wichtiger sein als der Klang.