Falsche Freunde diskriminieren Produkte

Es ist schon ein Kreuz mit der englischen Sprache – manches klingt fast wie im Deutschen, heißt aber doch etwas ganz anderes. In meiner Schulzeit gab’s da immer den Kalauer vom Mann beim Metzger, der seine Bestellung mit den Worten „I’d like to become a beef steak“ aufgibt.

Ähnlich verheddert sich auch Spiegel Online beim Versuch, Fachbegriffe aus einer US-amerikanischen Studie zu übersetzen:

Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es zwei Käufergruppen mit verschiedenen Grundhaltungen.

Die einen haben eine Einstellung, die die Forscher diskriminierend nennen. Diese Leute suchen Eigenschaften, die eine Produktart von anderen unterscheidet.
[…]
Die anderen Leute nennen die Wissenschaftler generalisierend. Sie interessieren sich für Eigenschaften, die Produkte einer bestimmten Art gemeinsam haben.

Diskriminierend? Gegen wen? Die anderen Produkte? Wird es Zeit, die UN zum Einschreiten zu bewegen?

Für den Anfang würde wahrscheinlich ein qualifizierter Übersetzer genügen: „to discriminate“ heißt im Englischen nämlich erst einmal schlichtweg „unterscheiden“. „To discriminate against“ wäre das deutsche „diskriminieren“.

Schon klar: „diskriminierend“ und „generalisierend“ hat natürlich einen schöneren Gleichklang als etwa „unterscheidend“ und „verallgemeinernd“, aber gerade weil „diskriminieren“im Deutschen kein unbelastetes Wort ist, sollte hier eigentlich die korrekte Übersetzung wichtiger sein als der Klang.

2 Responses to “Falsche Freunde diskriminieren Produkte”

  1. Johannes sagt:

    hmm, also den kommentar kann ich gut verstehen, aber falsch finde ich das spiegel online anzukreiden! „diskriminierende merkmale“ u.ä. bezeichnungen sind meiner ansicht nach in wissenschaftlichen zusammenhängen durchaus gängige begriffe, die eigentlich nicht ungewöhnlich sind – und damit nicht einer übersetzung spiegel onlines anzulasten sind!

  2. Baumi sagt:

    Okay, kann gut sein, dass ich da nicht bewandert genug im Wissenschafts-Jargon bin: Hatte ich noch nicht gehört.