Archive for the ‘Datenschutz’ Category

Alles muss raus

Samstag, August 27th, 2005

Zumindest alle Informationen: Nachdem der „Piano-Man“ vier Monate geschwiegen hat bevor er seine Identität preisgab, bemüht sich der „Spiegel“ nun darum, wirklich jedes Fitzelchen bekannt zu machen: In einem Artikel (aus den ich aus nachvollziehbaren Gründen nicht verlinke) finden sich Angaben von so großem öffentlichen Interesse wie:

Er hat eine Internet-Adresse, xxxxxxxxxxxxx@web.de
[…]
Der Fluchtpunkt heißt Saarbrücken […] Andreas G. hat sich dort eine Zivildienststelle besorgt, bei der xxxxx GmbH, in einem Wohnheim an der Straße xxxxxxx
[…]
Auch nicht in dem Apartmenthaus an der xxxxxxstraße xx, in dem er gemeldet ist[…]

Und richtig geraten – die Stellen, bei denen hier xxxxx steht, sind im Original nicht zensiert.

Was soll das? Ich kann ja noch nachvollziehen, dass die Medien im Privatleben des Mannes bohren, aber welchen Nutzwert hat so ein Stasi-Bericht mit detaillierten Angaben zu Aufenthaltsorten, Miete und Ähnlichem? Und vor allem: Wo bleibt da die Privatsphäre?

Der Mann hat vier Monate geschwiegen – als Resultat wird nun mehr an die Öffentlichkeit gezerrt als er es wohl jemals wollte.

Google Click-tracking

Sonntag, Juli 24th, 2005

Wann hat Google eigentlich angefangen, Nutzer bei den Suchergebnissen über einen Google-Redirect zu leiten?

Oder ist das nur, weil ich mit meinem GMail-Account eingeloggt bin?

Instrumentalisierung von Terror

Samstag, Juli 9th, 2005

Die Stör-Signale nehmen mir die Worte aus dem Mund:

Otto Schily:

Die Bombenanschläge in London sind in furchtbarer Weise Ausdruck der aktuellen Bedrohung durch den internationalen Terror. Ein Aspekt der Terrorbekämpfung ist die Sicherheit von Reisedokumenten.

Ich weiß bei solchen Argumenten nie, ob daraus Dummheit oder Hinterhältigkeit spricht.

Wie ein biometrischer Ausweis der Bundesrepublik Deutschland die Bombenanschläge von London verhindert hätte, bleibt weiter ungeklärt.

Schlauer, oder ehrlicher, ist der britische Innenminister Clarke, der in einem BBC-Interview heute morgen sagte, eine ID-Karte hätte die gestrigen Anschläge nicht verhindern können. (Siehe auch: rabenhorst)


Ich werd mir jedenfalls noch rechtzeitig vor dem Herbst einen alten Reisepass holen – der ist zwar auch schon maschinenlesbar, aber wenigstens die nächsten 10 Jahre noch ohne Fingerabdrücke und ähnlichen Müll.

Fingerabdrücke fälschen leicht gemacht

Montag, Juni 20th, 2005

Pünktlich zur Einführung des biometrischen Reisepasses hat der CCC eine Schritt-für-Schritt Anleitung veröffentlicht, die alle Informationen enthält, um einen vorhandenen Fingerabdruck von einem Glas (oder ähnlichem) abzunehmen und in eine künstliche Fingerkuppe zu verwandeln. Damit ist es mögliche biometrische Sensoren zu täuschen.

(Via: Stör-Signale)

Wer schützt hier wen wovor?

Montag, Juni 13th, 2005

Achtung, es wir politisch – ich muss mir gerade mal meinen Frust von der Seele schreiben:

Papa Staat (bzw. in diesem Fall Onkel NRW) ist schon ein Fürsorglicher – der will ja, um seine Schäfchen nicht zu verderben, dafür sorgen, dass sie nichts Böses im Netz sehen können. Das Ganze scheießt zwar manchmal über’s Ziel hinaus, ist aber trotzdem seit 2 Jahren in Kraft.

Nun kommt aber ein Schäfchen daher, das über diese Sperrungen informiert indem es Links auf die gesperrten Seiten setzt. Nicht, weil es mit dem Gedankengut sympathisiert, sondern ganz offensichtlich, weil es der Ansicht ist, dass diese Art der Zensur keine Lösung ist.

Eigentlich kein Problem, sollte man meinen – schließlich stehen diese Links – kaum verschleiert – in der Sperrverfügung, so dass sie jeder halbwegs Internetkundige selbst finden kann. Und in dem Bereich, für den die Sperrverfügung gilt, dürften die Seiten ja eh nicht aufgerufen werden können.

Trotzdem wurde unser Schäfchen dafür verklagt und in erster Instanz wegen Beihilfe zur Volksverhetzung und Beihilfe zur Gewaltdarstellung verurteilt.

Das Ganze ging in die Revision, heute wird das zweite Urteil erwartet.

Dann schauen wir mal, was da passiert – ich persönlich hoffe ja verdammt stark auf einen Freispruch. Nicht weil ich mit in irgendeiner Form mit Nazi-Propaganda sympathisiere (nichts liegt mir ferner), sondern weil ich Zensur für keine geeignete Lösung halte: Was verboten ist, wird nur um so interessanter gemacht, und wenn dann auch noch verboten wird, über die Verbote zu berichten, haben wir ein System installiert, das in böswilligen Händen jederzeit willkürliche Zensur ermöglicht – und ich sehe nicht ein, dass ich hier ein Zensur-System eingeführt wird, weil irgendwo in den USA ein paar Ewiggestrige ihren Müll ins Netz stellen müssen.

Wichtiger als der (zum Scheitern verurteilte) Versuch, Jugendliche von solchen Inhalten fern zu halten, wäre es, ihnen fundiertes Wissen über Rechtsextremismus beizubringen und ihnen andere Angeboten zu machen – aber dafür benötigte man ja qualifiziertes Lehrpersonal und funktionierende Jugendzentren – und genau das sind die Ecken, an denen im Moment mit Vorliebe gespart wird…

Und hier nochmal für die Juristen dieser Welt: Ich weise darauf hin, dass die Inhalte der verlinkten Seiten außerhalb meiner Kontrolle sind. Alle Links dienen nur zu Informationszwecken; Aussagen, die auf den verlinkten Seiten oder weiteren, von ihnen erreichbaren Seiten getroffen werden, entsprechen nicht notwendigerweise meinen eigenen Ansichten. Insbesondere distanziere ich mich von rechtsextremen Inhalten, die direkt oder indirekt über diese Links erreicht werden könnten.

Bloggende Eulen

Montag, Juni 13th, 2005

Und wieder der Versuch, eine konzertierte Blogger-Aktion ins Leben zu rufen:

Weblogs brauchen nicht nur Katzen – Weblogs brauchen auch kluge Eulen: wer nicht unbedingt warten möchte, bis sein Wohnort, sein Geburtsdatum oder seine Vorlieben und Abneigungen auf einer Festplatte bei eBay auftauchen, sollte sich die Aktion »Owl content« ansehen. »Owl content« soll dazu anregen, über Gefährdungen des Datenschutzes und der informellen ‘Selbstbestimmung’ auch in unscheinbaren Fällen, quasi vor der eigenen Haustür, zu berichten.

An sich ne gute Idee, ich wünsche ihnen viel Erfolg. (Und falls ich mal lange genug von meinem Hintern hoch komme, um mich um wirklich wichtige Themen zu kümmern, werd ich mir das Logo auch ans Blog heften – vorher aber nicht, das wäre sinnloses Geprotze ohne inhaltlichen Hintergrund.

(Via Industrial Technology & Witchcraft.)