Archive for the ‘Medien’ Category

Falsche Freunde diskriminieren Produkte

Samstag, Juli 31st, 2010

Es ist schon ein Kreuz mit der englischen Sprache – manches klingt fast wie im Deutschen, heißt aber doch etwas ganz anderes. In meiner Schulzeit gab’s da immer den Kalauer vom Mann beim Metzger, der seine Bestellung mit den Worten „I’d like to become a beef steak“ aufgibt.

Ähnlich verheddert sich auch Spiegel Online beim Versuch, Fachbegriffe aus einer US-amerikanischen Studie zu übersetzen:

Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt es zwei Käufergruppen mit verschiedenen Grundhaltungen.

Die einen haben eine Einstellung, die die Forscher diskriminierend nennen. Diese Leute suchen Eigenschaften, die eine Produktart von anderen unterscheidet.
[…]
Die anderen Leute nennen die Wissenschaftler generalisierend. Sie interessieren sich für Eigenschaften, die Produkte einer bestimmten Art gemeinsam haben.

Diskriminierend? Gegen wen? Die anderen Produkte? Wird es Zeit, die UN zum Einschreiten zu bewegen?

Für den Anfang würde wahrscheinlich ein qualifizierter Übersetzer genügen: „to discriminate“ heißt im Englischen nämlich erst einmal schlichtweg „unterscheiden“. „To discriminate against“ wäre das deutsche „diskriminieren“.

Schon klar: „diskriminierend“ und „generalisierend“ hat natürlich einen schöneren Gleichklang als etwa „unterscheidend“ und „verallgemeinernd“, aber gerade weil „diskriminieren“im Deutschen kein unbelastetes Wort ist, sollte hier eigentlich die korrekte Übersetzung wichtiger sein als der Klang.

Magie für Leichtgläubige

Montag, Juni 21st, 2010

Ach je – Spiegel Online scheint sich schwer zu tun, seine Video-Rubrik zu füllen. Um es sich etwas einfacher zu machen, wird derzeit offenbar ein neues Konzept ausprobiert: Einfach mal alles glauben, was einem erzählt wird, ohne es zu hinterfragen.

Aktuelles Beispiel: Dieses Video eines indischen Zaubertricks. Laut Off-Stimme ist darin zu sehen, wie ein Magier sich gerade noch aus einer Holzkiste befreit, bevor diese von einem Lastwagen gerammt wird.

Klar doch – zumindest wenn man „rammen“ neu definiert. Etwa als „am Verschlag vorbeifahren (immer entlang der weißen Linie), während dieser gleichzeitig von Mini-Sprengladungen zerlegt wird“:

Und wenn man bedenkt, dass der Magier im Schutze der Planen problemlos alle bekannten Tricks anwenden konnte, um sich aus Kiste und Ketten zu befreien, erscheint sein Hechtsprung eher wie schlechtes Timing.Er hätte problemlos noch einige Sekunden länger mit dem Heraushüpfen warten können und wäre immer noch vor dem Laster weg gewesen. Gar nicht zu reden davon, dass die Sprengladungen mit Sicherheit manuell gezündet wurden.

Was bleibt: Ein halbwegs spektakulärer Stunt, der wahrscheinlich in jeder Freizeitpark-Zaubershow mindestens genauso gut dargeboten werden würde – aber weil das Netz ja angeblich nach Videos giert (Tut es das eigentlich? Das war mein erstes SpOn-Video seit Monaten.), wird daraus auf einmal eine Nachricht…

Alle Jahre wieder

Freitag, Dezember 25th, 2009

Drüben bei Quotenmeter versuchen sie ja seit einiger Zeit, ihre Nutzer für „Paid Content“ zu begeistern. Ich hab mir „Quotenmeter Plus“ bisher verkniffen – und der aktuelle Stand der kostenfreien Inhalte macht einem auch nicht gerade Lust drauf, für mehr zu bezahlen.

Jüngstes Beispiel: Eine ausführliche Kritik vom 25.12.2009 zum RTL-Dreiteiler „Die Patin“. Ich zitiere mal:

An drei Abenden will RTL die Fernsehzuschauer mit der Produktion «Die Patin» in den Bann ziehen. 270 Minuten lang Hochspannung und Drama – das funktioniert in Deutschland nicht immer. Nun soll hier aber nicht über den zu erwartenden Erfolg der Produktion gemutmaßt werden, sondern über die Qualität.
[…]
An der Idee zu «Die Patin» war […] der jetzige Sat.1-Serienchef Joachim Kosack beteiligt. Er wird am Montagmorgen also ebenfalls sehr interessiert auf die RTL-Quoten schauen.
[…]
Liebhabern des deutschen Films und allen Fans von Krimis und Thrillern ist «Die Patin» sehr zu empfehlen
[…]
RTL zeigt den ersten Teil von «Die Patin» am 25. Dezember 2009, um 00.25 Uhr. Die weiteren Filme folgen am 26. Dezember um 01.15 Uhr und 27. Dezember um 01.45 Uhr.

Äh, bitte was?

Wieso wird ein offenbar gelungener und teurer TV-Film mitten in der Nacht versendet?

Die Antwort ergibt sich, wenn man in die Linkliste unterm Artikel schaut: „Die Patin“ ist nämlich keine Erstausstrahlung, sondern eine Wiederholung (neuerdings auch gerne „Rerun“ genannt, weil das Wiederholungen wohl viel cooler macht) vom Dezember 2008 – damals lief die Produktion mit leicht enttäuschenden Quoten um 20:15 Uhr.

Quotenmeter dokumentierte seinerzeit nicht nur mehrfach die Quoten, sondern stellte vor der Ausstrahlung auch eine Kritik ins Netz, die bis auf die Ausstrahlungstermine am Ende identisch mit dem „aktuellen“ Beitrag ist – da wurde nicht ein Finger gerührt, um neue Infos hinzuzufügen, die veralteten Sätze zu ändern oder wenigstens einfach zu streichen.

Das Recycling scheint Methode zu haben: Schon am 24.12. wurde eine Kritik zum „Clown“-Kinofilm auf die gleiche Weise wiederaufgewärmt – immerhin wies hier ein „zeigt erneut“ in der Terminangabe vorsichtig darauf hin, dass es sich um eine Wiederholung handelte; da allerdings im Artikel die schlechten Zuschauerzahlen im Kino thematisiert werden, wäre ein Hinweis auf die ebenso miesen TV-Quoten bei der Erstausstrahlung journalistisch wünschenswert gewesen. Aber gedankenloses Austauschen der Sendetermine ist wohl einfacher…

Dann hoffe ich aber, dass es dieses Jahr auch zu Silvester wieder heißt: „The same procedure as every year“…

(Update, 31.12.2010: Ja, heißt es. :-)

In dünner Luft kann man nicht durchatmen

Montag, November 16th, 2009

Ich hab’s hier ja gemütlich: Alle paar Monate tippe ich hier mal was Neues, was i.d.R. eh keine Sau interessiert, und dazwischen vergesse ich einfach, dass ich ein Blog habe, und kümmere mich um andere Dinge. Am anderen Ende der Blog-Skala, oben in der A-List, geht da natürlich nicht: Da muss „Content“ prodziert werden, und zwar massig. Egal, ob man viel zu sagen hat, oder nicht.

Wie das geht, führt exemplarisch Sascha Lobo vor:
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Kurzsichtige Programmplanung?

Freitag, Oktober 9th, 2009

Jetzt hat RTL gestern also den „Knight Rider“-Pilotfilm ausgestrahlt. Wer ihn nicht gesehen hat, kann in die Kritik schauen, die der Wortvogel zum US-Start verfasst hat. Und wie in den USA hat das Ding auch hier Mörderquoten bekommen – weniger wegen der Qualität als mehr wegen des Kultfaktors des Originals.

Alles in Ordnung also?

Von wegen – die neue Serie ist nach einhelliger Meinung von Zuschauern und Kritikern Schrott. In den USA stürzten die Quoten nach dem Pilotfilm total ab – das, was im Piloten geboten wurde, hat die Zuschauer nämlich so massiv enttäuscht, dass sie den restlichen Folgen keine Chance mehr gaben. (Ebenfalls zu Recht – die waren auch Schrott.)

RTL weiß das auch. Zitat DWDL:

Nach den Erfahrungen in den USA hat RTL aber gleich Vorkehrungen gegen das womöglich auch hierzulande schnell absinkende Interesse getroffen: Die restlichen Folgen der Serie werden nur im Samstag-Nachmittagsprogramm des Senders zu sehen sein.

Übersetzt heißt das also: „Wir wissen, dass wir den Leuten zur Hauptsendezeit enttäuschenden Müll zeigen, aber das macht nichts, weil sie neugierig genug sind, trotzdem einzuschalten.“

Wie lange kann das gut gehen? Wie lange lässt sich der Zuschauer von großen Ankündigungen für gequirlte Kacke verarschen? Und wann ist er so abgefuckt, dass er nicht einmal mehr den Piloten einschaltet, weil er nichts Gutes mehr erwartet?

Übung in Unlogik

Samstag, Mai 9th, 2009

„Der Spiegel“ übt sich in einem Text von Jan Fleischhauer in Unlogik: Zuerst werden Anekdoten, wilde Behauptungen und Vorurteile angeführt, die illustrieren sollen, wie absurd sich angeblich alle „Linken“ verhalten (gemischt mit ein paar gehaltvollen Einwürfen, die sich bei Bedarf Kritikern vor die Nase halten ließen), um dann zu folgern, dass man, weil man das absurd findet, automatisch konservativ ist.

Die „Linken“ Fleischhauers glauben z.B., dass der 11. September eine CIA-Verschwörung war oder finden es grundsätzlich verdächtig, wenn jemand hofft, dass eine Ehe funktionieren kann.

In der Rhetorik wird sowas gerne als „Strohmann-Argument“ bezeichnet, und es ist schwer vorstellbar, dass der gute Mann das in seiner Karriere als Journalist nicht kapiert hat, dass sowas nicht für eine ernsthafte Diskussion taugt – auch wenn er sich in seinem Blog alle Mühe gibt, diesen Anschein zu erwecken.

Das Blog liefert aber auch einen guten Hinweis, worum aller Wahrscheinlichkeit es eigentlich geht: Da ist nämlich auch ein Link zur „Achse des Guten“ aus dem Umfeld von Spiegel-Kolumnist Henryk M. Broder, der ja schon längst gelernt hat, dass es Leser zieht, wenn man wild beschimpft und diffamiert, statt sachliche Debatten zu führen.

Dieses Feld will Fleischhauer ihm offenbar nicht alleine überlassen – aber sein Fehler ist, dass er dabei noch viel zu sehr versucht Argumente aufzubauen. Er sollte es einfach wie Broder machen, und auf pure Beleidigung setzen. (Broder über Stefan Niggemeier: „Profi-Wixxer aus der Weltstadt Springen bei Heidenrod über Niedergladbach, Obergladbach und Hausen vor der Höhe, und den Erbsenzähler, der seine Schmarotzer-Karriere der Existenz der BILD verdankt“)

Aber da Fleischhauer ja Spiegel-Redakteur ist und sein Buch auch gleich online im Spiegel-Shop gekauft werden kann, wird’s schon klappen mit der Auflage.

Wenn Journalisten nix verstehen…

Freitag, April 3rd, 2009

In einem Video auf Zeit-Online spricht SF-Autor und Blogger Cory Doctorow über Datenschutz. Seiner Ansicht nach ist Massenspeicherung persölicher Daten so etwas wie Umweltverschmutzung: Der Missetäter kommt billig davon, obwohl er für die Allgemeinheit einen großen Schaden anrichtet.
U.A. führt Doctorow dabei auch Google Analytics ins Feld, das seiner Ansicht nach zwar das derzeit beste kostenlose Werkzeug für eine nötige Sache – Webstatistiken – ist, gleichzeitig aber jede Menge Daten speichert, die nicht für den Betreiber, sondern nur für Google von Belang sind. (Z.B. individuelle IP-Adressen.) Seine Konsequenz: Es müsste ein freies Tool geben, das genau so mächtig wie Google Analytics ist, ohne dabei diese zentralisierte Datensammelwut an den Tag zu legen.

Und was packt die „Zeit“ als Beschreibung über das Video?

Der Autor Cory Doctorow erläutert seine Vorliebe als Webseiten-Betreiber für Google Analytics.

Da fällt es kaum ins Gewicht, dass der Übersetzer der Untertitel den Unterschied zwischen „Corporate Entity“ und „Corporate Identity“ nicht kennt.

Das ganze Leben ist ein Spiel

Montag, März 30th, 2009

Ungewohnte Flapsigkeit des „Stadtanzeigers“ zu Schrammas Pressekonferenz (man beachte die im Bild rot unterstrichene Überschrift):

(Oder hat da doch nur jemand bei Copy&Paste zu schnell geklickt?)

Wie man sich Zitate zurecht schneidert

Sonntag, Februar 22nd, 2009

Ein SpOn-Kommentar zum PirateBay-Prozess behauptet, die „verlogene“ Argumentation von Raubkopieren zu entlarven. Und einige der Beobachtungen sind auch durchaus interessant, zum Beispiel der deutliche Kontrast zwischen großmäuligem Gebaren der PirateBay-Macher auf der Website und kleinlauter „Keine Ahung“-Verteidigung im Prozess. Anderes ist sicherlich diskussionswürdig – die These mit dem „Konsumenten haben keine Lobby, weil sie lieber alles illegal saugen“ kaufe ich dem Autoren so nicht ab.

Aber zumindest an einer Stelle liegt Autor Konrad Lischka klar daneben:

Wie wenig Rechtsbewusstsein noch vorhanden ist, illustriert ein Kommentar im Blog des Musikers Kevin Hamann. […] Ihm gratulierte ein anonymer Kommentator im Blog zum neuen Album – Wochen vor der Veröffentlichung: „Ich finde das neue Album auch sehr schön, finde auch nichts schlimmes daran, dass man es schon herunterladen kann.“ Hamanns Antwort: „Ich glaube du hast einiges missverstanden!“

Das scheint in dieser Kürze wunderbar Lischkas Thesen zu belegen – wer aber die vollständige Unterhaltung liest (auf die SpOn immerhin verlinkt hat), bekommt einen ganz anderen Eindruck:

anonymous 15. Januar 2009 um 15:25 Uhr
hallo,

ich finde das neue album auch sehr schön.

finde auch nichts schlimmes daran, dass man es schon herunterladen kann. ich glaube eher, dass es dir helfen wird, weil die verbreitung im netz viele leute erst auf die idee kommen das mal zu hören. außerdem hast du recht wenn du sagst, dass du nichts daran ändern können wirst.

ich werde mir die neue platte nach erscheinen kaufen.

wirds die vinyl auch auf der tour zu kaufen geben? was wird diese kosten (im vergleich zur cd)?
ist auf der tour kaufen noch künstlerfreundlicher?

viele grüße
—–
click 16. Januar 2009 um 10:07 Uhr
Ich glaube du hast einiges missverstanden,
mich nervt es tierisch, dass mir andere leute das nehmen worauf ich mich seit 3 Monaten freue, so lange liegt das fertige Album hier schon rum, man einigt sich auf eine releasedatum, und so lange wartet man dann und hällt es zurück,
das fällt mir jedesmal sehr schwer, ich möchte es gerne sofort leuten zeigen, vorspielen, in die hand drücken….
jetzt haben andere leute mir diesen moment, den grund genommen….

das saugt!

Was Lischka also als Urheberrechtsdebatte verpackt hat, ist in Wirklichkeit eine (sehr nachvollziehbare) Diskussion um die Selbstbestimmung des Künstlers über sein Werk. (Und nebenbei hat er auch noch unterschlagen, dass der Raubkopierer zusicherte, die Platte zu kaufen und sogar nach den künstlerfreundlichsten Konditionen fragt – hätte wohl nicht in Lischkas simple Erklärungslogik der verantwortungslosen Raubkopier-Hedonisten gepasst.)

In diesem Sinne, Herr Lischka: Ich glaube Sie haben da einiges missverstanden.

Warnung vor dem Film

Freitag, Dezember 26th, 2008

Da ich mich ja derzeit im gleichnamigen Land herumtreibe, koennte der eine oder andere von euch vielleicht versucht sein, sich Baz Luhrmanns neuen Film „Australia“ anzusehen.

Tut es nicht.

Ich bin ja alles andere als ein Freund von Spiegel Online, aber in diesem Fall trifft deren Kritik den Nagel auf den Kopf: Der Film funktioniert als Geschichte nicht. An keiner Stelle. Und Nicole Kidman chargiert in der ersten Stunde (insgesamt dauert der Film fast 3 Stunden) so furchtbar, dass ich mich an uebelste Boulevard-Klamotten erinnert fuehlte. Fuer all die weiteren Probleme, die diesen Film durchziehen, verweise ich auf die genannte Spiegel-Kritik.

Ich frage mich nur, wie der SZ-Kritiker sich so fuer den Film begeistern konnte…

P.S.: Falls ihr statt dessen einen wirklich guten Film sehen wollt, empfehle ich Danny Boyles „Slumdog Millionaire“ – auf den muesst ihr in Deutschland allerdings noch bis Mitte Maerz warten.