Archive for the ‘Politik’ Category

Übung in Unlogik

Samstag, Mai 9th, 2009

„Der Spiegel“ übt sich in einem Text von Jan Fleischhauer in Unlogik: Zuerst werden Anekdoten, wilde Behauptungen und Vorurteile angeführt, die illustrieren sollen, wie absurd sich angeblich alle „Linken“ verhalten (gemischt mit ein paar gehaltvollen Einwürfen, die sich bei Bedarf Kritikern vor die Nase halten ließen), um dann zu folgern, dass man, weil man das absurd findet, automatisch konservativ ist.

Die „Linken“ Fleischhauers glauben z.B., dass der 11. September eine CIA-Verschwörung war oder finden es grundsätzlich verdächtig, wenn jemand hofft, dass eine Ehe funktionieren kann.

In der Rhetorik wird sowas gerne als „Strohmann-Argument“ bezeichnet, und es ist schwer vorstellbar, dass der gute Mann das in seiner Karriere als Journalist nicht kapiert hat, dass sowas nicht für eine ernsthafte Diskussion taugt – auch wenn er sich in seinem Blog alle Mühe gibt, diesen Anschein zu erwecken.

Das Blog liefert aber auch einen guten Hinweis, worum aller Wahrscheinlichkeit es eigentlich geht: Da ist nämlich auch ein Link zur „Achse des Guten“ aus dem Umfeld von Spiegel-Kolumnist Henryk M. Broder, der ja schon längst gelernt hat, dass es Leser zieht, wenn man wild beschimpft und diffamiert, statt sachliche Debatten zu führen.

Dieses Feld will Fleischhauer ihm offenbar nicht alleine überlassen – aber sein Fehler ist, dass er dabei noch viel zu sehr versucht Argumente aufzubauen. Er sollte es einfach wie Broder machen, und auf pure Beleidigung setzen. (Broder über Stefan Niggemeier: „Profi-Wixxer aus der Weltstadt Springen bei Heidenrod über Niedergladbach, Obergladbach und Hausen vor der Höhe, und den Erbsenzähler, der seine Schmarotzer-Karriere der Existenz der BILD verdankt“)

Aber da Fleischhauer ja Spiegel-Redakteur ist und sein Buch auch gleich online im Spiegel-Shop gekauft werden kann, wird’s schon klappen mit der Auflage.

Freie Bahn dem Schnäppchenwahn

Donnerstag, April 30th, 2009

Es gibt ja so gewisse gefühlte Grundwahrheiten über die Deutschen und ihre Vorlieben und Abneigungen. Eine davon ist die leidenschaftliche Schnäppchenjagd – die kann dann ja auch schon mal so weit gehen, dass man sich ein neues Auto kauft, dass man sich eigentlich überhaupt nicht leisten kann, weil einem der Staat 2.500 Euro schenkt, wenn man sein altes, völlig intaktes Auto verschrottet. Ist ja billiger – muss man mitnehmen.

Ein anderer Minimalkonsens ist das Schimpfen über die Deutsche Bahn – ob es um den bösen Mann an der Spitze geht oder den verspäteten Zug am Bahnsteig: Wenn der jedesmal ein Fahrgast verloren ginge, wenn jemand beteuert, jetzt nie wieder Bahn zu fahren, würden die Züge längst mit Fahrgastzahlen unter Null durch die Lande rollen. (Am Endbahnhof müssten dann so lange Bahnmitarbeiter einsteigen, bis der Zug wieder leer ist.)

So gesehen stellen Kampagnen wie die, die Tchibo aktuell anbietet, den gefühlten Durchschnittsverbraucher vor ein Dilemma: 6 Bahnfahrten für 127 Euro sind ein Schnäppchen. Aber man muss Bahn fahren, um es auszunutzen.

Doch mit etwas nachdenken kommt die Lösung: Natürlich beim Kaffeeröster Schlange stehen, sich dann in den Zug setzen, die weitestmöglichen Strecken abfahren – nicht weil man dahin will, sondern weil man es ja kann – und dem Schaffner dabei eine lange Nase drehen: Schließlich hat man es dem bösen Transportkonzern mal wieder so richtig gegeben!

In diesem Sinne: Gute Fahrt!

Ohne Seife keine Bücher?

Montag, April 13th, 2009

Tja, wo es um Seifiges uss ich doch meinen Senf dazugeben, auch wenn es in diesem Fall keine Seifenopern sondern echte Seifenstücke sind, bzw. die mangelnde Anwendung derselben.

Im Klartext: Die Stadtbibliothek von Schaumburg, Illinois, kann Leute seit neuestem nicht nur wegen Lärmens oder ähnlichem rauswerfen, sondern auch, weil sie zu sehr stinken. Und auch wenn die Bücherei betont, dass es dabei nicht nur um Ungewaschene gehe, sondern genauso auch um Überparfümierte, dürften das Haupt-Zielobjekt des Bannes die Obdachlosen sein, die US-Bibliotheken gerne als Aufenthaltsort nutzen.

Auf den Punkt gebracht

Dienstag, Februar 24th, 2009

Eben in den Nachrichten den Kommentar eines ägyptischen Politikers zu dem Anschlag in Kairo gehört:

Da stecken religiöse Extremisten dahinter. Mit Gottes Hilfe werden wir sie eliminieren.

Dazu muss man wohl nichts weiter sagen…

Noch ne Weihnachtsbotschaft

Donnerstag, Dezember 25th, 2008

Mal eine kurze Pause von den Reiseberichten: Nachdem der Vatikan sich ja schon vor einigen Wochen vehement gegen eine UN-Initiative ausgesprochen hatte, die die Strafbarkeit von Homosexualitaet international abschaffen will, setzt der Papst jetzt noch einen drauf: Wenn zwei Maenner sich lieben, ist das seiner Meinung nach genauso gefaehrlich wie die Abholzung des Regenwalds und muss auf jeden Fall bekaempft werden:

Sexuelles Verhalten jenseits der heterosexuellen Beziehungen sei „eine Zerstörung des Werks Gottes“ . Es sei das Recht der Kirche, „von der menschlichen Natur als Mann und Frau zu sprechen und zu bitten, dass diese Schöpfungsordnung respektiert wird“
[…]
Nach katholischer Lehre ist Homosexualität an sich nicht Sünde, wohl aber dann, wenn sie praktiziert wird.

Womit genau nimmt sich eigentlich ein Mann, der sich die – rein biologisch betrachtet arg widernatuerliche – Verpflichtung auferlegt hat, sich sein Leben lang von Frauen fernzuhalten (von wegen „seid fruchtbar und mehret euch“) das Recht heraus, anderer Leute sexuelle Neigungen als verwerflich abzustempeln?
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Doppelmoral

Dienstag, Januar 15th, 2008

Ich sag mal nur soviel: Als vor einigen Wochen ausländische Jugendliche einen deutschen Rentner zusammenschlugen, löste das eine bundesweite Debatte über Jugendgewalt im Allgemeinen und gewalttätige Ausländer im Besonderen aus.

Die Nachricht, dass am Wochenende ein junger Mann aus dem Kongo in Köln von jugendlichen SKinheads erst als „Nigger“ beschimpft und dann zusammengeschlagen wurde, schafft es in die Kölner Lokalpresse

Ach ja, dafür bringt die „Welt“ aber einen Kommentar mit dem schönen Titel „Auch Migranten leiden unter Jugendgewalt„. Da wird zwar in einem Absatz darauf hingewiesen, dass die „Zahl der Todesopfer rechtsradikaler Gewalt […] diejenige von Ausländern gegen Deutsche um ein Vielfaches [übersteigt]“, trotzdem beschäftigt sich der Rest des Artikels ausschließlich mit der Rolle ausländischstämmiger Täter. Zitat:

Warum veranstaltet der Türkische Bund Berlin keine Diskussion zum Thema „Delinquenz unter türkischen Jugendlichen“? Wenn sie sich weiterhin weigern, dies als ein gemeinsames Problem zu betrachten, wird man es bald ohne sie lösen müssen.

(Nicht dass wir uns falsch verstehen – Schläger gehören bestraft, egal woher sie kommen. Warum die derzeitige Debatte trotzdem vor Doppelmoral trieft, erschließt sich, wenn man z.B. den Links in diesem Artikel des Bildblog folgt.)

…aber manche sind gleicher

Montag, Dezember 31st, 2007

Schon merkwürdig: Wann immer hierzulande Skins auf einen Ausländer einprügeln, zeig sich die Politik betroffen, betont aber auch, dass es sich um „Einzelfälle“ und „keinen Trend“ handele. Wenn es aber umgekehrt dazu kommt, dass ein deutscher Rentner brutal von ausländischen Jugendlichen zusammengeschlagen wird, fordert Herr Koch gleich allgemein schärfere Gesetze.

Woran liegt’s? Meine Theorie: Deutsche Ausländerfeinde dürfen wählen, Flüchtlinge und Asylsuchende hingegen nicht…

Der „Tatort“ und die Aleviten [Aktualisiert]

Dienstag, Dezember 25th, 2007

Ich bin ja was Religion im Allgemeinen und den Islam im Besonderen angeht eher ahungslos. Obwohl man die Begriffe „Schiiten“ und „Sunniten“ tagtäglich in den Nachrichten hören kann, habe ich mir nie die Mühe gemacht, nachzulesen, was denn nun der Unterschied im Glauben zwischen den Beiden ist. Und bis Sonntag hätte ich noch nicht einmal gewusst, dass Aleviten auch Moslems sind.

Doch dann kam ja der „Tatort“. Der spielte im Deutsch-Türkischen Millieu und hatte am Ende als Täter (Achtung, Spoiler) einen alevitischen Familienvater, der seine Tochter missbraucht hatte. Nun gut, irgendwer ist in Krimis ja immer der Täter – und wenn 90% der Figuren aus dem Migranten-Umfeld kommen, ist die Überraschung nicht so groß, dass es einer davon ist – und nirgendwo erschien es so, als habe dessen Religion oder Nationalität irgend etwas mit der Tat zu tun.

Insofern war ich irritiert, dass die alevitische Gemeinde wegen dieses „Tatort“ Anzeige wegen Volksverhetzung erstattete. Dann recherchierte ich, und hab’s etwas besser kapiert.

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Nur Mord ist fremdenfeindlich….

Freitag, Mai 26th, 2006

So, so, da lese ich bei Spiegel-Online doch glatt:

Nehm bezweifelt fremdenfeindlichen Angriff

Generalbundesanwalt Kay Nehm hat heute die Ermittlungen wegen des Überfalls auf den Deutsch-Afrikaner Ermyas M. in Potsdam an die dortige Staatsanwaltschaft abgegeben. Er geht nicht mehr von einer fremdenfeindlichen Tat aus.

Etwas weiter unten heißt es dann aber:

Entgegen der ursprünglichen Verdachtslage stünden […] die „nachweislich fremdenfeindlichen Äußerungen der Täter […] weder räumlich noch zeitlich in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Niederschlagen des Opfers“.

Wegen des „zwei-aktigen Geschehensablaufs“ könne den Verdächtigen nicht mit Sicherheit der bedingte Tötungsvorsatz nachgewiesen werden[…] Eine Anklage wegen […] Körperverletzung falle aber nicht in die Verfolgungskompetenz des Bundes. Diese sei nur bei schweren Taten wie Mord und Totschlag gegeben.

Für mich wäre das Fazit aus dem Artikel ja eher „Nehm bezweifelt Tötungsabsicht“. Wie man daraus hingegen ableiten kann, dass er den fremdenfeindlichen Hintergund – oder gar, wie die Überschrift suggeriert, den Angriff als solchen bezweifelt, bleibt das Gehemnis der zuständigen Redakteure.

Die Flut und die „Benzin-Wut“

Donnerstag, September 1st, 2005

In New Orleans spielt sich derzeit Furchtbares ab – ca. eine Million Menschen sind obdachlos, keiner weiß wie viele gestorben sind. Und da die Gegend im Golf von Mexiko auch ein wichtiges Ölfördergebiet ist, sind derzeit 10 Prozent der US-Ölindustrie lahmgelegt, was natürlich zu steigenden Öl- und Benzinpreisen führt.

Was macht „BILD“, wenn eine Naturkatastrophe in den USA solche Auswirkungen hat? Richtig, siefahren eine Kampagne gegen die Politik – ohne dabei mit einem Wort zu erwähnen, was im Golf von Mexico passiert ist.

(Ja, ich weiß, dass die „Benzin-Wut“-Kampagne schon länger läuft, aber alle verlinkten Artikel erschienen mit Datum vom 31.08. oder 01.09. 2005.)