Freie Bahn dem Schnäppchenwahn

April 30th, 2009

Es gibt ja so gewisse gefühlte Grundwahrheiten über die Deutschen und ihre Vorlieben und Abneigungen. Eine davon ist die leidenschaftliche Schnäppchenjagd – die kann dann ja auch schon mal so weit gehen, dass man sich ein neues Auto kauft, dass man sich eigentlich überhaupt nicht leisten kann, weil einem der Staat 2.500 Euro schenkt, wenn man sein altes, völlig intaktes Auto verschrottet. Ist ja billiger – muss man mitnehmen.

Ein anderer Minimalkonsens ist das Schimpfen über die Deutsche Bahn – ob es um den bösen Mann an der Spitze geht oder den verspäteten Zug am Bahnsteig: Wenn der jedesmal ein Fahrgast verloren ginge, wenn jemand beteuert, jetzt nie wieder Bahn zu fahren, würden die Züge längst mit Fahrgastzahlen unter Null durch die Lande rollen. (Am Endbahnhof müssten dann so lange Bahnmitarbeiter einsteigen, bis der Zug wieder leer ist.)

So gesehen stellen Kampagnen wie die, die Tchibo aktuell anbietet, den gefühlten Durchschnittsverbraucher vor ein Dilemma: 6 Bahnfahrten für 127 Euro sind ein Schnäppchen. Aber man muss Bahn fahren, um es auszunutzen.

Doch mit etwas nachdenken kommt die Lösung: Natürlich beim Kaffeeröster Schlange stehen, sich dann in den Zug setzen, die weitestmöglichen Strecken abfahren – nicht weil man dahin will, sondern weil man es ja kann – und dem Schaffner dabei eine lange Nase drehen: Schließlich hat man es dem bösen Transportkonzern mal wieder so richtig gegeben!

In diesem Sinne: Gute Fahrt!

Die schlechteste Fernbedienung der Welt

April 21st, 2009

Quizfrage: Wie lange braucht ihr, um auf dieser Fernbedienung eines DVD-Players die „Play“-Taste zu finden?

Erst geht die Marke – dann der Rest

April 20th, 2009

Gut, es wäre vermessen, den Niedergang von Arcandor allein am sperrigen Namen festzumachen – dennoch war es eine selten dämliche Entscheidung, eine traditionsreiche Marke (okay, das Amalgam zweier Marken) wie KarstadtQuelle seinerzeit für mehr als 100.000 Euro durch ein sinnfreies Kunstwort zu ersetzen. Teil der offiziellen Begründung damals:

Bei der Auswahl des neuen Namens habe der Anfangsbuchstabe „A“ eine Rolle gespielt, sagte Middelhoff. Durch den Anfangsbuchstaben kann das Unternehmen unter den 50 im Börsensegment MDax notierten Unternehmen im Alphabet von Platz 25 auf Platz drei vorrücken.

Wenn wir schon die wirtschaftlichen Realitäten außen vor lassen und hobbypsychologisch die Anleger durchleuchten, wie wäre es dann mit der Frage, ob die einer ungelenken Wortneuschöpfung wirklich mehr Vertrauen schenken als einer etablierten Marke – ich wüsste nicht, wieso.

Aber der Umbenennungswahn feiert auch auf dem sinkenden Schiff noch fröhliche Urständ:

Der Versandhandelsbereich heißt inzwischen nicht mehr Quelle, sondern Primondo. Teile davon werden nun zusammen mit einigen der Kaufhäuser in eine Neugründung names Atrys ausgegliedert.

Wer den Namen ändert, hat meist etwas zu verbergen – z.B. eine finstere Vergangenheit. Wie viel Vertrauen brächte man einem Menschen entgegen, der einem innerhalb weniger Jahre unter drei gänzlich verschiedenen Namen über den Weg liefe? Und wieso sollte das, was im zwischenmenschlichen Bereich Misstrauen auslöst, in der Wirtschaft plötzlich als modern und dynamisch empfunden werden?

Ohne Seife keine Bücher?

April 13th, 2009

Tja, wo es um Seifiges uss ich doch meinen Senf dazugeben, auch wenn es in diesem Fall keine Seifenopern sondern echte Seifenstücke sind, bzw. die mangelnde Anwendung derselben.

Im Klartext: Die Stadtbibliothek von Schaumburg, Illinois, kann Leute seit neuestem nicht nur wegen Lärmens oder ähnlichem rauswerfen, sondern auch, weil sie zu sehr stinken. Und auch wenn die Bücherei betont, dass es dabei nicht nur um Ungewaschene gehe, sondern genauso auch um Überparfümierte, dürften das Haupt-Zielobjekt des Bannes die Obdachlosen sein, die US-Bibliotheken gerne als Aufenthaltsort nutzen.

Warum nur, warum

April 12th, 2009

Spät dran, aber ich mache auch mal bei Manuels Spielchen mit.

(Regeln in Kurzfassung: MP3-Programm Deiner Wahl im Zufallsmodus anschmeißen, Fragen der Reihe nach mit dem jeweiligen Songtitel beantworten. Ausführlicher stehts in Manuels Posting.)
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Das ist deutsche Genauigkeit

April 6th, 2009

Wenn Journalisten nix verstehen…

April 3rd, 2009

In einem Video auf Zeit-Online spricht SF-Autor und Blogger Cory Doctorow über Datenschutz. Seiner Ansicht nach ist Massenspeicherung persölicher Daten so etwas wie Umweltverschmutzung: Der Missetäter kommt billig davon, obwohl er für die Allgemeinheit einen großen Schaden anrichtet.
U.A. führt Doctorow dabei auch Google Analytics ins Feld, das seiner Ansicht nach zwar das derzeit beste kostenlose Werkzeug für eine nötige Sache – Webstatistiken – ist, gleichzeitig aber jede Menge Daten speichert, die nicht für den Betreiber, sondern nur für Google von Belang sind. (Z.B. individuelle IP-Adressen.) Seine Konsequenz: Es müsste ein freies Tool geben, das genau so mächtig wie Google Analytics ist, ohne dabei diese zentralisierte Datensammelwut an den Tag zu legen.

Und was packt die „Zeit“ als Beschreibung über das Video?

Der Autor Cory Doctorow erläutert seine Vorliebe als Webseiten-Betreiber für Google Analytics.

Da fällt es kaum ins Gewicht, dass der Übersetzer der Untertitel den Unterschied zwischen „Corporate Entity“ und „Corporate Identity“ nicht kennt.

Das ganze Leben ist ein Spiel

März 30th, 2009

Ungewohnte Flapsigkeit des „Stadtanzeigers“ zu Schrammas Pressekonferenz (man beachte die im Bild rot unterstrichene Überschrift):

(Oder hat da doch nur jemand bei Copy&Paste zu schnell geklickt?)

An der Einsturzstelle

März 4th, 2009

Als ich gestern vom Einsturz des Archivgebäudes hörte, war schnell der Impuls da, mir den Schauplatz persönlich anzusehen. Klar, ganz wohl war mir bei dem Gedanken nicht: Immerhin gehöre auch ich zu den Menschen, die auf Gaffer nicht gut zu sprechen sind. Nach einigem inneren Hin und Her beschloss ich dennoch, nach der Arbeit die U-Bahn zur Severinstraße zu nehmen – immerhin dürfte das eines der Ereignisse sein, die den Kölner an sich noch eine ganze Zeit bewegen werden.

Nach dem Aussteigen drehte ich zunächst eine Runde durchs Viertel – die Straße wirkte belebter als sonst um diese Uhrzeit, in einem Büdchen standen Männer zusammen und schauten sich die Lokalzeit im Fernsehen an, die gerade über das Unglück berichtete. Dadurch kamen diejenigen, die selbst in der Nähe gewesen waren auch ins Erzählen; ihre Geschichten glichen sich allesamt: Normaler Tag, dann ein Grollen und Beben und draußen eine Staubwolke.

Mehr als das weiß letztlich keiner. Wie auch – das Geschehen liegt erst wenige Stunden zurück. Das hindert den Express nicht daran, keine 500 Meter vom Unglücksort entfernt eine eine Sonderausgabe zu verkaufen. Ganz in der Nähe des Zeitungsmannes sammelt eine junge Reporterin Anwohnerstimmen für die Morgenausgabe: „Hast Du jetzt Angst, in Deine Wohnung zu gehen?“

An der Ecke zur Achterstr. erklärt ein deutsches Paar einem südländisch wirkendem Mann, was passiert ist. Besorgt will er Wissen, ob Menschen im Gebäude waren.

Die Polizei hat den Fußweg kurz hinter der Bahnhaltestelle abgesperrt und lässt nur Anwohner und Bewohner des Hotel Mercure durch. Zwischen Rohren und gelben Baustellencontainern ist ein Stück des unwirklich riesigen Schutthaufens zu sehen. Außer mir stehen nur wenige Leute am Absperrband.

Ich gerate mit einem Paar um die 50 ins Gespräch. Sie ereifert sich über alles: Wieso man so wenig wisse, wieso die nicht mit großen Baggern Leute retten und wieso niemand wisse, wo die Busse umgeleitet werden. Er ist ruhiger, sagt nur irgendwann: „Ich bin am Rosenmontag mit den Roten Funken hier lang. Da standen Leute direkt davor. Der Zug ging da lang. Nicht auszudenken, wenn das da passiert wäre.“

Auf den Punkt gebracht

Februar 24th, 2009

Eben in den Nachrichten den Kommentar eines ägyptischen Politikers zu dem Anschlag in Kairo gehört:

Da stecken religiöse Extremisten dahinter. Mit Gottes Hilfe werden wir sie eliminieren.

Dazu muss man wohl nichts weiter sagen…