Wie man sich Zitate zurecht schneidert

Februar 22nd, 2009

Ein SpOn-Kommentar zum PirateBay-Prozess behauptet, die „verlogene“ Argumentation von Raubkopieren zu entlarven. Und einige der Beobachtungen sind auch durchaus interessant, zum Beispiel der deutliche Kontrast zwischen großmäuligem Gebaren der PirateBay-Macher auf der Website und kleinlauter „Keine Ahung“-Verteidigung im Prozess. Anderes ist sicherlich diskussionswürdig – die These mit dem „Konsumenten haben keine Lobby, weil sie lieber alles illegal saugen“ kaufe ich dem Autoren so nicht ab.

Aber zumindest an einer Stelle liegt Autor Konrad Lischka klar daneben:

Wie wenig Rechtsbewusstsein noch vorhanden ist, illustriert ein Kommentar im Blog des Musikers Kevin Hamann. […] Ihm gratulierte ein anonymer Kommentator im Blog zum neuen Album – Wochen vor der Veröffentlichung: „Ich finde das neue Album auch sehr schön, finde auch nichts schlimmes daran, dass man es schon herunterladen kann.“ Hamanns Antwort: „Ich glaube du hast einiges missverstanden!“

Das scheint in dieser Kürze wunderbar Lischkas Thesen zu belegen – wer aber die vollständige Unterhaltung liest (auf die SpOn immerhin verlinkt hat), bekommt einen ganz anderen Eindruck:

anonymous 15. Januar 2009 um 15:25 Uhr
hallo,

ich finde das neue album auch sehr schön.

finde auch nichts schlimmes daran, dass man es schon herunterladen kann. ich glaube eher, dass es dir helfen wird, weil die verbreitung im netz viele leute erst auf die idee kommen das mal zu hören. außerdem hast du recht wenn du sagst, dass du nichts daran ändern können wirst.

ich werde mir die neue platte nach erscheinen kaufen.

wirds die vinyl auch auf der tour zu kaufen geben? was wird diese kosten (im vergleich zur cd)?
ist auf der tour kaufen noch künstlerfreundlicher?

viele grüße
—–
click 16. Januar 2009 um 10:07 Uhr
Ich glaube du hast einiges missverstanden,
mich nervt es tierisch, dass mir andere leute das nehmen worauf ich mich seit 3 Monaten freue, so lange liegt das fertige Album hier schon rum, man einigt sich auf eine releasedatum, und so lange wartet man dann und hällt es zurück,
das fällt mir jedesmal sehr schwer, ich möchte es gerne sofort leuten zeigen, vorspielen, in die hand drücken….
jetzt haben andere leute mir diesen moment, den grund genommen….

das saugt!

Was Lischka also als Urheberrechtsdebatte verpackt hat, ist in Wirklichkeit eine (sehr nachvollziehbare) Diskussion um die Selbstbestimmung des Künstlers über sein Werk. (Und nebenbei hat er auch noch unterschlagen, dass der Raubkopierer zusicherte, die Platte zu kaufen und sogar nach den künstlerfreundlichsten Konditionen fragt – hätte wohl nicht in Lischkas simple Erklärungslogik der verantwortungslosen Raubkopier-Hedonisten gepasst.)

In diesem Sinne, Herr Lischka: Ich glaube Sie haben da einiges missverstanden.

All that you can leave behind

Januar 27th, 2009

Was ich vermissen werde, wenn ich wieder zuhause bin:

  • Freie Tagesgestaltung
  • Alle paar Tage Tiere in freier Wildbahn zu sehen, die man zuvor nur aus dem Zoo kannte
  • Sonne!
  • Die Illusion, ein anderes Leben als das gewohnte zu leben
  • Schlafen unter freiem Himmel
  • Wallabies
  • Viel Zeit um Lesen

Was ich nicht vermissen werde:

  • Die ewig gleichen Gespreche, die man in Backpacker-Unterkuenften mithoert. In der Regel lassen sie sich so zusammenfassen: „Bei uns machen wir X ja nicht so und so, sondern ganz anders – ich verstehe gar nicht, wieso die hier das hier nicht so machen.“
  • Tastaturen ohne Umlaute
  • Schnarchende Zimmergenossen, die noch dazu erst mitten in der Nacht angetrunken zurueckkommen und erst dann einschlafen, wenn sie mir ihrem Laerm alle anderen geweckt haben.
  • Leben aus dem Rucksack – Schraenke haben Vorteile

Noch einmal aus dem Vollen geschoepft

Januar 26th, 2009

Inzwischen sind es ja nur noch zwei Tage bis ich wieder ins Flugzeug Richtugn Heimat steige, darum hab‘ ich in den letzten zwei Wochen noch einmal ganz kraeftig den Touristen raushaengen lassen. (Das klingt jetzt irgendwie latent pervers, ist aber ganz harmlos gemeint.)
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Expeditionen ins Tierreich

Januar 18th, 2009

Ich hab‘ auf meinen Rundgaengen in der australischen Wildnis ja so einiges gelernt. Dass Kookaburras wie wildgewordene Lachsaecke klingen, wusste ich ja schon:Hingegen ueberraschte es mich schon, dass der australische Rabe einen Ruf hat, der an einen sehr, sehr enttaeuschten Schlumpf erinnert:Aber am meisten ueberraschte mich dann doch, wie ein Koalamaennchen klingt, wenn es denn mal was zu sagen hat:

(Nebenbei hoert ihr auf diesem Video auch, dass es fast unmoeglich ist, irgendwo in Australien keinem Deutschen zu begegnen…)

Let there be rock

Januar 17th, 2009

Uluru – das ist der Aborigine-Name fuer Ayers Rock, der inzwischen offiziell die englische Bezeichung ersetzt hat – Uluru also ist das Klischeebild fuer Australien schlechthin. Anders als Kanegrus oder Koalas kann man ihn nicht in irgendwelchen Zoos bewundern, sondern nur indem man sich mitten in den trockensten Kontinent der Welt begibt.

Und das tun die Leute dann auch. Busweise trudeln sie aus dem Hoteldorf Yulara – einer Retortenstadt, die nur aus einem Besucherzentrum, Unmengen anm Hotels und ein paar teuren Geschaften besteht – am Morgen in der offiziellen Sonnanaufgangs-Betrachtungszone ein, um den offiziellen Sonnenaufgang zu betrachten. Abends wiederholt sich dassele Spiel auf der anderen Seite in der Sonneuntergans-Betrachtungszone; die Zeit dazwischen verbingt man entweder damit, um den Felsen drumherum zu laufen oder die Wuensche und Traditionen der Ureinwohner in den Wind zu schlagen, indem man draufkletter. (Interessanterweise stehen zwar ueberall Schilder „Please don’t climb Uluru“, trotzdem ist es immer noch moeglich und kostet noch nicht einmal etwas.)

Viel Touristenrummel also um einen ziemlich grossen Stein. Es waere zienlich leicht, der Ganzen Angelegenheit zynisch gegenueber zu stehen, wenn dieser verdammte Sein nicht so faszinierend waere, dass er jeden der 400 Kilometer wert ist, die man auf dem Weg dorthin durch die Wueste zurueckgelegt hat.
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Mal wieder Bildmaterial

Januar 5th, 2009

Ich hab‘ aus der Not, dass man in Alice Springs nachts alleine nicht vor die Tuer gehen sollte (mehr dazu ein andermal), eine Tugend gemacht und lade gerade einen Haufen Fotos hoch. Die komplette Sammlung wie ueblich hier, aber ich konnte mir dann doch die Top 10 der frischen Fotos nicht verkneifen. (Ich entschuldige mich im Voraus fuer die Masse an Sonnneuntergaengen und Abend- und Nachtbildern – die haben’s mir wohl angetan…)

Hier sind sie also, streng nach persoenlicher Vorliebe sortiert (Anklicken bringt groessere Versionen):
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Warnung vor dem Film

Dezember 26th, 2008

Da ich mich ja derzeit im gleichnamigen Land herumtreibe, koennte der eine oder andere von euch vielleicht versucht sein, sich Baz Luhrmanns neuen Film „Australia“ anzusehen.

Tut es nicht.

Ich bin ja alles andere als ein Freund von Spiegel Online, aber in diesem Fall trifft deren Kritik den Nagel auf den Kopf: Der Film funktioniert als Geschichte nicht. An keiner Stelle. Und Nicole Kidman chargiert in der ersten Stunde (insgesamt dauert der Film fast 3 Stunden) so furchtbar, dass ich mich an uebelste Boulevard-Klamotten erinnert fuehlte. Fuer all die weiteren Probleme, die diesen Film durchziehen, verweise ich auf die genannte Spiegel-Kritik.

Ich frage mich nur, wie der SZ-Kritiker sich so fuer den Film begeistern konnte…

P.S.: Falls ihr statt dessen einen wirklich guten Film sehen wollt, empfehle ich Danny Boyles „Slumdog Millionaire“ – auf den muesst ihr in Deutschland allerdings noch bis Mitte Maerz warten.

Noch ne Weihnachtsbotschaft

Dezember 25th, 2008

Mal eine kurze Pause von den Reiseberichten: Nachdem der Vatikan sich ja schon vor einigen Wochen vehement gegen eine UN-Initiative ausgesprochen hatte, die die Strafbarkeit von Homosexualitaet international abschaffen will, setzt der Papst jetzt noch einen drauf: Wenn zwei Maenner sich lieben, ist das seiner Meinung nach genauso gefaehrlich wie die Abholzung des Regenwalds und muss auf jeden Fall bekaempft werden:

Sexuelles Verhalten jenseits der heterosexuellen Beziehungen sei „eine Zerstörung des Werks Gottes“ . Es sei das Recht der Kirche, „von der menschlichen Natur als Mann und Frau zu sprechen und zu bitten, dass diese Schöpfungsordnung respektiert wird“
[…]
Nach katholischer Lehre ist Homosexualität an sich nicht Sünde, wohl aber dann, wenn sie praktiziert wird.

Womit genau nimmt sich eigentlich ein Mann, der sich die – rein biologisch betrachtet arg widernatuerliche – Verpflichtung auferlegt hat, sich sein Leben lang von Frauen fernzuhalten (von wegen „seid fruchtbar und mehret euch“) das Recht heraus, anderer Leute sexuelle Neigungen als verwerflich abzustempeln?
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Kein Ochs, kein Esel, aber Fliegen und ein paar Kamele

Dezember 24th, 2008

Wenn man sich Australien mal auf der Landkarte anguckt, faellt einem als erstes auf, wieviel Platz da ist. Noch mehr faellt einem das auf, wenn man Stunden damit verbringt, durch ebendiesen Platz zu fahren, um von eienm Ort zum anderen zu kommen. Ein Beispiel: An einem Roadhouse (=Raststaette) wurden auf einem Schild die Sehenswuerdigkeiten von Exmouth angepriesen. Klingt ganz normal, schliesslcih ist Exmouth die naechste Ortschaft. Allerdings: Exmouth hat 2.500 Einwohner und ist von der besagten Raststaette ca. 230 km entfernt. Das waere in etwa so, als wuerde man Touristen in Bremen auffordern, Koeln Huerth zu besuchen – mit dem Untyerschied, dass kein Koeln neben Huerth ware und in einem 200-km-Radius um Bremen nichts waere als roter Sand (eisenerzhaltig) mit Gras und kurz gewachsenen Baeumen, die irgendwie eine grossartige Methode entwickelt haben, zu keiner Tageszeit auch nur ein bisschen Schatten gegen eine Sonne zu spenden, die die Luft schon morgens um 8 auf 35 Grad aufheizt.
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Schwitzen im Nordwesten

Dezember 19th, 2008

Auch nett – heute Abend hocke ich im idzlyyschen Exmouth, einem Ort mit gerade mal 2.500 Einwohnern, aber sehr netten Straenden und Riffen, an denen ich heute auch den Grossteil des Tages verbracht habe – bei orbei38 Grad und knapp am Sonnenbrand vorbei. Jetzt ist die Sonne aber weg, am Himmel stehen vollkommen fremde Sternbilder und die Kakadus, die zum Sonnenuntergang auf den Telefondraehten rumgeturnst sind, pennen ebenso wie die Emus, die tagsueber den Ort durchstreifen.

Ich geh noch fuer eine Runde in den Pub, morgen geht es dann bis Heiligabend auf Campingtour durch die subtropische WIldnis. Insofern nicht wundern, wenn ihr eine Weile nichts von mir hoert – im Laufe ds 24. Dezembers sollte die Zivilisation mich wieder haben.